Low stock

Fischen Sie auch an einem so genannten Low-stock-Gewässer? Das scheint im Trend zu liegen. Aber was genau ist eigentlich ein Low-stock-Gewässer? Kay Synwoldt auf der Suche nach Antworten.

Einen festen Maßstab, wann man ein Gewässer als „low stock“ (englisch für „geringen Besatz“) bezeichnen kann, gibt es nicht. Vermutlich ein Grund, warum so viele Karpfenangler angeblich in Low-stock-Gewässern angeln und warum dieser Begriff inzwischen geradezu inflationär verwendet wird. Oder jeder definiert diesen Begriff ganz einfach anders.

Schweigende Bissanzeiger…

Als „low stock“ bezeichne ich Gewässer, in denen weniger als ein Karpfen pro Hektar Wasserfläche schwimmt. Und selbst das ist für mich nur ein ungefährer Richtwert, den ich normalerweise zur Einstufung größerer Gewässer ab 50 Hektar Wasserfläche zugrunde lege. Denn ein kleiner, nur sechs Hektar großer Baggersee, in dem nur neun oder zehn Karpfen schwimmen, würde bei mir ebenfalls noch in die Kategorie fallen.

Jackpott! Manchmal wird das Aushalten belohnt

Neben dem Verhältnis von Wasserfläche zu Stückzahl spielt für mich also auch die absolute Zahl vorhandener Karpfen eine Rolle. Sobald die Zahl einstellig wird, ist das Angeln auf die wenigen Karpfen generell schwierig – selbst wenn es sich um eine vergleichsweise kleine Drei-Hektar-Pfütze handelt und das von mir zuerst genannte Verhältnis von Wasserfläche zu Karpfen nicht passt.

Die Angler wollen sich als harte Hunde darstellen und ihren Fang aufwerten.“

Alle Low-stock-Gewässer haben allerdings eine Sache gemein: Die vorhandenen Karpfen sind schwer zu fangen. Vermutlich der Hauptgrund, warum sich Angler gerne mit diesem Begriff schmücken. Sie wollen sich als harte Hunde darstellen und ihren Fang aufwerten.
In Zeiten, in denen man scheinbar einen 30-Kilo-Fisch gefangen haben muss, um mitreden zu dürfen, durchaus verständlich. Wer würde zugeben, dass sein im direkten Vergleich mickriger 30-Pfund-Fisch auch noch aus einem überbesetzten Vereinstümpel stammt?

Wer sagt, dass Fische aus Low-Stock-Gewässern immer groß sind?

Wenn man meine Kriterien zugrunde legt, bleiben echte Low-stock-Gewässer rar gesät. Und an den wenigen echten Low-Stock-Gewässern, die ich bis jetzt befischt habe, treffe ich immer dieselben Angler.
Nicht zuletzt, weil man aufgrund des Missverhältnisses von eingesetzter Zeit zu gefangenen Fischen ein dickes Fell braucht, um länger durchzuhalten. Dieses Durchhaltevermögen haben nur wenige. Ich könnte auch sagen: So verrückt sind nur wenige.

Hipster-Angler sind an Low-Stock-Gewässern deshalb oft schneller wieder weg, als sie gekommen sind.“

Für mich hat das dennoch einen positiven Aspekt: Echte Low-Stock-Gewässer werden vergleichsweise wenig beangelt. Wer heute in der schnelllebigen, digitalen Welt mithalten will, muss (Fangergebnisse) liefern. Dafür braucht es Gewässer, die gut besetzt sind und an denen man einfacher an Fisch kommt. Unter ständigem Erfolgsdruck an dünn besetzten Gewässern zu angeln, wäre töricht.

Viel Wasser, wenig Fisch – schlecht für die Moral und schlecht für Social Media

Denn mal ehrlich: Wer kann sich heute das Risiko leisten, wochen- oder sogar monatelang ohne Fisch zu bleiben? Auf facebook und Insta wäre man in der Zwischenzeit längst in Vergessenheit geraten. Der Supergau für Internet-Poser. Mit Blank-Geschichten hält man seine Fans kaum bei Laune, die wollen Fleisch sehen. Hipster-Angler sind an Low-Stock-Gewässern deshalb oft schneller wieder weg, als sie gekommen sind.
Deshalb betrachte ich es mit gewisser Grundskepsis, wenn ich im Zusammenhang mit einer Fangmeldung wieder einmal den Begriff „Low stock“ lese.