Perfekter Start

Es ist ein besonders schönes Gewässer, eine regelrechte Perle der Natur. Aber die Perle hat auch eine Kehrseite: Sie zieht ihre Opfer schnell in ihrem Bann und lässt sie dann verhungern. Zumindest wurde uns das so erzählt.
Zusammen mit einem Freund wollte ich der Perle trotzen, ihr von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen, wir wollten der Wahrheit auf den Grund gehen. Und warum warten? Kurzentschlossen planten wir unseren ersten Ansitz im Jahr genau dort.
Die Temperaturen waren für die Jahreszeit unnormal warm, der Luftdruck hielt sich im grünen Bereich. Ein Hauch von SW-Wind war angesagt, die Temperaturen sollten die ersten zwei Tage konstant bleiben.

Tatsächlich zog uns die Perle sofort in ihren Bann. Ein See mit vielen Inseln, Kanten, Steinfelsen – jede Menge Hotspots. Da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.
Unser Angelplatz war trotzdem schnell gefunden und wir machten uns gleich ans Werk. Die Ruten wurden scharf gemacht, die Spots mit einem Stick-Mix und einer Handvoll Kugeln unter Futter gesetzt. Unsere Stimmung war entspannt, wir saßen erwartungsvoll im Zelt und erzählten uns Geschichten aus der vergangener Zeit.

Als sich plötzlich ein Fallbiss bemerkbar machte.
Ein Karpfen? Kann doch nicht sein!
Da wir meine Rute auf knapp 160 Metern Entfernung abgelegt hatten und man hier angesichts vieler Unterwasserhindernisse keine Zeit verlieren darf, saß ich schnell im Boot.

Ein kurzer Drill und der erste „Little boy“ stellte sich persönlich bei uns vor. Ein geiles Gefühl. Ein neues und obendrein als äußerst launisch bekanntes Gewässer und innerhalb von vier Stunden der erste Fisch – bei diesen Temperaturen sicher eine absolute Ausnahme.
Dachten wir. Aber unverhofft kommt oft, wie man so schön sagt.

Nachdem wir die Rute neu fuhren, fing es zunächst an zu regnen. Dazu zog starker aber milder SW-Wind auf. Kurz vor Mitternacht ging dann die gleiche Rute los. Wieder musste ich sofort Druck aufbauen, da meine Montage keine drei Meter von einem steinigen Felsbereich entfernt lag. Ich holte alles aus der 2.75lbs-Rute heraus und ging am Ufer mit nach oben gehaltener Rute ein paar Schritte zurück. Meine Rute war am Limit. Ich merkte, wie der Fisch langsame Schläge von sich gab und mit seinem Gewicht spielte. Das musste ein Brett sein!

Jetzt nur bloß den Burschen sicher über alle Hindernisse bekommen.
Das Glück war auf meiner Seite und ich bekam am Ende einen schönen, ungewöhnlich hellen Spiegler zu Gesicht.
YEEEEESSS!
Der Hakenköder hing noch in seinem Maulwinkel und es schien, als würde mich der Fisch mindestens genauso überrascht anschauen wie anders herum.
Ein toller Start für das Jahr 2019!

Danach vielen die Temperaturen drastisch. In der darauffolgenden Nacht sackte das Thermometer unter Null. Der Temperatursturz machte sich offenbar nicht nur bei mir mit kalten Füßen, sondern auch bei den Karpfen bemerkbar. Jedenfalls gingen wir die letzten achtundvierzig Stunden unserer Session leer aus.
Meine Frau und ein paar Freunde kamen uns noch besuchen. Wir verbrachten einen schönen Tag am See, schmiedeten weitere Pläne und legten neue Strategien für die nächste Session fest.

Wider Erwarten hatte sich die als launisch bekannte Perle von ihrer freundlichen Seite gezeigt. Das nahmen wir dankend an. Wir werden wiederkommen.

Marvin Kreisel

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