OBEN AUF!

thumb_profilAngler: Rouven Meierjohann
Datum: 04.08. und 14.08.2011
Gewässer: Waldsee von 4 Hektar, Baggersee von 3 Hektar
Wetter: Drückende, schwüle Temperaturen von bis zu 26 Grad Celsius und vereinzelt Regen

 

 

Donnerstag, 04.08.2011
18.00 Uhr: Erschöpft werfe ich meine Laufschuhe in die Ecke, ziehe Shirt und Hose aus und stelle mich verschwitzt unter die Dusche. Bald steht neben einigen Examensklausuren meine letzte praktische Prüfung an. Ich bin schwer im Training. Irgendwie hält mich das Sommerloch in seinen Fängen, ich habe schon länger keine Nacht mehr gemacht. Mich beflügelt derzeit eine andere Leidenschaft: das Oberflächenangeln!

thumb_leichtes_gert_ist_ideal_fr_das_oberflchenangeln18.15 Uhr: Ich schnappe mir die fertig montierte Rute, den gepackten Rucksack, hänge mir die Futterzwille um und greife in den Obstkorb, um mir zwei Affenkoteletts (Bananen) als Verpflegung mitzunehmen. Das anvisierte Gewässer liegt nur 5 Minuten von meiner Haustür entfernt. Also ab ins Auto und ab dafür…

18.20 Uhr: Ich schleiche durch den Fichtenwald in Richtung Wasser. Bah, überall diese fiese Stechfliegenart. Hätte ich nur eine lange Hose angezogen. Die Biester beißen mir unaufhörlich in die Kniekehlen. Schon habe ich einige dicke Pusteln. Langsam krieche ich hinter einem kleinen Busch hervor und schaue mit der Polbrille ins’ seichte Wasser. Es ist nichts zu sehen.

thumb_gedippte_hundechunks_schwimmen_verfhrerisch18.25 Uhr: Trotz keiner sichtbaren Fischanzeichen schieße ich einige Hundefutterstücke mit der Schleuder vor das überhängende Buschwerk. In den vergangenen Wochen habe ich hier des Öfteren Karpfenaktivitäten verzeichnet. Dennoch möchte ich nicht alles auf eine Karte setzen. Ich füttere in einer nahe gelegenen Bucht noch eine weitere Stelle an. Dieses Mal mit Toaststücken.

thumb_fr_das_oberflchenangeln_bentigt_man_nicht_viel18.35 Uhr: Von einem Baumstumpf aus kann ich aus einiger Entfernung beide Plätze beobachten. Falls ein erster Schwall an einem der Plätze die Wasseroberfläche durchbrechen sollte, würde ich mich mit meiner Stalking-Rute anschleichen.
 


thumb_ich_fette_die_schnur_etwas_ein_damit_sie_kein_fischverschrecker_wird18.40 Uhr:
Ich fette in Abständen von jeweils einem Meter die circa fünf Meter Fluorocarbon, die ich als kurzen Leader vor die Hauptschnur geschaltet habe, leicht ein. So sinkt die relativ schwere Carbonschnur bis zum kleinen Controller nicht völlig ein. Das könnte Schnurschwimmer provozieren, die die Fische dann misstrauisch werden lassen. Das relativ kurze und dünne Fluoro-Vorfach hinter dem Controller lasse ich uneingefettet, da es mit dem Wasser verschmelzen soll und dafür ruhig etwas einsinken darf. Das relativ kurze Vorfach soll verhindern, dass die Schnur allzu tief eintaucht und Fische verschreckt.

thumb_am_zweiten_platz_rhrt_sich_auf_brot_etwas18.50 Uhr: Es tut sich etwas! Von meinem Aussichtsplatz aus sehe ich, wie eines der Brotstücke in der kleinen Bucht in einem Schwall verschwindet. Kurz darauf dann noch eins. Schnell ziehe ich eine Weißbrotecke mit der härteren Rinde auf das Bait-Gum des 4er PB Jungle Hooks und schleiche in Richtung Tatort. Mit einem lockeren Schwung überwerfe ich den Platz und ziehe den Controller vorsichtig über die Fressstelle. Nun treibt das präparierte Brot zwischen den anderen weißen Fetzen. Mein Puls beginnt zu rasen!

18.51 Uhr: „Schmatz“. Das ist die Ansage, auf die ich gewartet habe! Sofort quittiere ich den „Nehmer“ mit einem seitlich gerichteten Anhieb. Sitzt! An der leichten Drennan-Rute federe ich jede Flucht nur mit der Aktion der Rute ab, was für ein geiles Drillgefühl sorgt. Leider gibt sich der kleine Spiegler am Ende viel zu schnell geschlagen.

thumb_ein_kleiner_sommerlochverser19.00 Uhr: Durch den Drill sind die anderen Fische verscheucht worden. Ich konzentriere mich auf den anderen Spot mit den Hundefutterstücken.

 

 

 

 

19.30 Uhr: Auch hier kommt Leben ins Spiel. Zwei blaue Schatten ziehen langsam unter den braunen Brocken hindurch. Kurz darauf verschwinden einige von ihnen in einer orange gefärbten Luke. Schnell ein gedipptes Hundeleckerli eingeschlauft und hinein damit. Leider verschwinden die Beiden genau so schnell wie sie aufgetaucht sind. Ich bin trotzdem zufrieden. Ich mag diese unkomplizierte, hautnahe Angelei, da sie mich wieder in meine Jugend zurück versetzt, zum Ursprung meiner Angelfaszination. Ganz nebenbei ist diese Angelei sehr viel aufschlussreicher über das Fischverhalten, als das sonst übliche Warten und Grübeln, was wir den Rest des Jahres betreiben.


Sonntag, 14.08.2011
Neben meinen Lernaktivitäten hatte ich eigentlich geplant, noch einmal für 9 Tage nach Südfrankreich aufzubrechen, um eventuell noch einen Dicken abzugreifen. Das hätte für die geplante Messe-Show zusammen mit meinem Freund Marian im November gut gepasst. Aber wie heißt es so schön: Sport ist Mord! Während eines Fußballspiels stürze ich im Vollsprint und breche mir das Kahnbein der linken Hand. Ergebnis: 7 Wochen Gips! Gott sei Dank bin ich Rechtshänder und kann so wenigstens die Klausuren an der Uni schreiben. Trotzdem: Großer Mist, auch bezüglich des Angelns!


thumb_gierig_schlrfte_er_das_richtige_stck_ein19.45 Uhr: Ich kann nicht ohne! Allerdings beschränke ich mich zunächst auf meine Oberflächenangelei in den Abendstunden. Stets in Begleitung natürlich, da ich zumindest eine Kescherhilfe benötige. Dieses Mal geht es an ein anderes, mir bis dahin recht unbekanntes Gewässer.


20.00 Uhr: Während ich am Ufer entlang schleiche, sehe eine Gruppe von Fischen unter den Seerosen weg tauchen. Einer der Fische ist ein sehr helles Exemplar, fast ein Geister-Fisch. Den möchte ich haben! Sofort schieße ich einige Hundechunks in seine Richtung. Nach einer Wende zieht der Trupp tatsächlich in Richtung der braunen Stücke und einer testet eines der Leckerlis.


20.10 Uhr: Das ist mein Startzeichen. Meine Montage ist unverändert. Vorsichtig werfe ich den Controller vor die Seerosen.


thumb_trotz_handicap_kann_ich_es_nicht_lassen20.12 Uhr: Einer der dunklen Bewohner nähert sich meinem Hakenköder und will ihn einsaugen. Aber ich versuche ihm den Brocken langsam vor der Schnauze wegzuziehen, da es nicht der anvisierte helle Fisch ist. Zu spät! Ein Schlag durchbricht die Szenerie, die anderen Fische schießen verschreckt in die Seerosen.


20.16 Uhr: Nach kurzem aber intensivem Drill keschert mein Freund Marvin den Spiegler. Ein schönes Ergebnis, obwohl ich natürlich den Geist anvisiert hatte. Schade.


thumb_dieser_ghost-_schuppi_bedeutet_mir_viel20.45 Uhr: Nach einer halben Stunde entdecke ich den „Hellen“ noch einmal. Ich füttere mit Brotstücken und er schlürft mit zwei anderen Schuppis tatsächlich die Stücke ein. „Bääm, hab ich dich!“ Der Controller schießt durch die Seerosen. Kurz darauf gleitet er in die Maschen. Ich bin total happy. Schon lange habe ich mich nicht mehr so über einen Fisch gefreut. Meine Verletzung, die Enttäuschung über den geplatzten Frankreichtrip und die Lernstrapatzen der vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen. Vielleicht ist eine derartige Zwangspause aber manchmal gar nicht schlecht. Sie gibt Gelegenheit, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen - nämlich den Spaß am Fischen!