Endspurt

thumb_bild_1_portrait


Angler:
Daniel Fassinger
Gewässer: Kleiner Baggersee im Raum Berlin
Ziel: Noch mal raus...

 

 

 

thumb_bild_2Montag, 4. Oktober
17:45 Uhr: Mit einem deutlichen Klacken rastet mein Trailer in die Anhängerkupplung ein. Noch den Stecker für die Beleuchtung in die Buchse am Auto stecken, dann geht´s los. Wie so oft nicht zum Angeln, sondern zum Füttern.

thumb_bild_318.25 Uhr: Mein 3,10 Meter kleines Zodiac ist im Wasser. Klein, weil vor mir ein etwa 300 Hektar großer See in Brandenburg liegt. Futtereimer und Tank rein, ein paar mal auf den Kraftstoffbalg drücken, kräftig am Anlasser ziehen und schon tuckert der acht PS starker Zweitakter munter vor sich hin. Die Tage werden deutlich kürzer. Ich muss mich beeilen, denn ich will noch einem zweiten Gewässer einen Besuch abstatten. Ich füttere nur Boilies. Wegen der vielen Brassen.


19:00 Uhr: Die Köder liegen am Bestimmungsort, mein Boot ist wieder festgezurrt auf dem Anhänger. Ab zum nächsten See, einem Baggersee in Berlin. Der ist deutlich kleiner, hat nur etwa 13 Hektar Wasserfläche.


thumb_bild_419:50 Uhr: Hier liegt zum Glück ein Boot am Ufer. Das darf ich benutzen und das spart Zeit. Hier habe ich die komplette Futter-Palette dabei: Tigernüsse, Boilies und Hanf. Kein Problem, denn es gibt nur wenige Weißfische. Ich füttere drei Stellen mit unterschiedlichen Tiefen. Von 1,70 Metern im Uferbereich bis auf 5,40 Meter auf einem großen Plateau, etwa 250 Meter vom Ufer entfernt.


Dienstag, 5.Oktober

thumb_bild_518:45 Uhr: Ich bin wieder an dem großen See in Brandenburg. Bevor ich neues Futter hinein werfe, kontrolliere ich den Gewässerboden mit meiner Unterwasserkamera. Auf dem Bildschirm zeigt sich das Dilemma: Die gestern gefütterten Boilies liegen noch! Waren keine Fische am Platz? Meine Zuversicht für das nächste Wochenende schwinden. Neues Futter bleibt im Eimer. Morgen werde ich noch mal zur Kontrolle vorbeikommen.


19:30 Uhr: An meinem kleineren See in Berlin zeigt sich ein anderes Bild. Hier haben die Fische offenbar gefressen, mein Futterplatz ist wie leergefegt. Wirklich alles ist weg, kein Maiskorn ist mehr zu sehen. So muss eine gute Futterstelle nach 24 Stunden aussehen. Genial! Hier darf es dann ruhig wieder etwas mehr sein.


Mittwoch, 6.Oktober

18:30 Uhr: Es sieht nicht gut aus. Auf dem Grund des großen Brandenburger Sees finde ich immer noch Boilies. Die Fische scheinen nur sehr zurückhaltend zu fressen. Meine Entscheidung ist einfach: Ich werde das kommende Wochenende in Berlin angeln. Denn dort werde ich wenig später keinen Krümel mehr finden. Und morgen werde ich dort noch einmal die Futterschaufel schwingen. Dann müsste es passen.


Freitag, 8. Oktober

thumb_bild_615:30 Uhr: Freitag ist der schönste Tag der Arbeitswoche! Denn ich habe Feierabend und ein komplettes Wochenende vor mir. Ab nach Hause. Die Köder fürs Wochenende kommen in den Kofferraum, Klappe zu und nach nur acht Minuten bin ich am See.


thumb_bild_717:30 Uhr: Alles fertig aufgebaut, die Ruten liegen auch auf ihren Plätzen. Das Plateau, das ich befische liegt inmitten dieses sehr mit Kraut übersäten Gewässers. Damit meine Montage sicher und ohne im Kraut hängen zu bleiben auf dem Grund ankommt, benutze ich an dieser Rute einen PVA-Beutel. Die beiden anderen Hakenköder in Ufernähe präpariere ich mit in PVA-Material eingenetzten Boilies.


Samstag 9. Oktober

thumb_bild_87:00 Uhr: Dauerton an der ufernahen Rute! Wegen dem Kraut muss ich sofort ins bereitstehende Boot. Ein Drill vom Ufer aus wäre hoffnungslos. Der Fisch zieht schon keine Schnur mehr von der Rolle. Mit Unterstützung meines E-Motors bin ich schnell über dem Fisch. Er steht kopfüber im dichten Kraut. Aus Erfahrung weiß ich, es geht nicht ohne Gewalt. Mit der bis auf den letzten Grad gebogenen Rute stehe ich genau über dem Fisch. Nur mäßig gibt das Kraut meinem Ziehen nach. Schließlich reißen die letzten Stängel, unter dem Krautbatzen lässt sich eine Schwanzflosse erkennen. Ja, der Fisch ist noch dran. Mit einer Hand versuche ich das Kraut von der Schnur zu bekommen. Das setzt letzte Kraftreserven des Karpfens frei. Aber zwei oder drei Fluchten später liegt er im Kescher. Der 6er Wide Gape X sitzt zuverlässig im vorderen Maulbereich. 16 Kilogramm bringt der Bilderbuch-Schuppi auf die Waage.


thumb_bild_916:00 Uhr: Bis auf eine Schleie und einem kleineren Spiegler, die sich beide an einem Poppi vergangen haben, war es ruhig. Meine Plateau-Rute musste ich allerdings einholen und ebenfalls ufernah platzieren. Denn ständig treibt neues Kraut in meine Hauptschnur. Und bei der großen Entfernung wird meine Montage schnell wieder vom Plateau ins dichte Kraut gezogen. Das ist wenig aussichtsreich.



Sonntag, 10. Oktober

thumb_bild_106:30 Uhr: Wieder stehe ich mit krummer Rute auf dem Boot. Diesmal zieht der Fisch am anderen Ende nicht gleich ins Kraut. Mir steht ein echter Drill bevor. Aber auch dieser Fisch findet nach zehn Minuten sicher in meinen Kescher. Ein toller Moment: Die Sonne erleuchtet die über dem Wasser schwebenden Nebelschwaden, kein Wind, vereinzelt ein Vogelgezwitscher und einen dicken Spiegler im Boot. Anglerherz, was willst Du mehr? Aber es ist kalt geworden.


6:45 Uhr: Am Ufer sehe ich, wie kalt es ist: Meine Matte ist mit dem ersten Frost des Jahres überzogen.


thumb_bild_119:30 Uhr: Ein wirklich goldener Oktobertag. Zeit für ein paar Bilder mit meinem letzten Fang, der 17,5 Kilogramm auf die Waage bringt. Aber dieser glückliche Moment hat auch etwas von Wehmut. Denn das Jahr geht zu Ende und ich blicke auf eine eher durchwachsene Angelsaison mit relativ wenigen Fischen zurück. Wahrscheinlich aus diesem Grund gebe ich jetzt im Herbst noch einmal alles. Dieses Wochenende mit Erfolg. Hoffentlich nicht zum letzten Mal. Denn ich werde an diesem See noch für die nächsten Wochen angeln. Eine Gewässertiefe von bis zu 14 Metern kühlt nicht so schnell aus. Deshalb habe ich hier bis in den Winter hinein vielleicht die Chance, ein paar Fische auf die Schuppen zu legen.