Wieder meins

von Patrick Reuter

In den letzten Jahren beobachte ich bei mir ein wiederkehrendes Problem. Zum Ende eines jeden Sommers schwindet meine Motivation. Ich habe wenig Antrieb fischen zu gehen. Die Luft ist irgendwie raus und ich kenne auch den Hauptgrund dafür. Die Nächte im Spätsommer waren auch dieses Jahr noch recht warm. Viele nutzen das für ausgelassene Grill- und Partyabende. Zu meinem Leid finden diese Feste allerdings häufig am Gewässer und nicht im Biergarten oder auf der heimischen Terrasse statt. Saufgelage, Lagerfeuer und Gegröle in der Nachbarschaft sind so gar nicht das, was ich nachts beim Fischen brauche.

Nach durchzechter Nacht verlassen die meisten Säufer das Gewässer wieder. Dafür halten dann andere Freizeitsportler Einzug. Die Konflikte und Diskussionen mit Kanufahrern, Wakeboardern und – schwer im Trend aber nicht weniger störend – Stand-up-Paddlern habe ich längst satt. Mein scheinbar aussichtslose Suche nach Einsamkeit ist ermüdend.

Doch keine Jahreszeit ist endlos und so wurde meine Melancholie auch in diesem Jahr mit dem Einbruch des Herbstes beendet. Vom einen auf den anderen Tag waren alle Säufer weg – als wären sie vom Erdboden verschluckt. Zugegeben, sie haben hier und da verbrannte Erde hinterlassen. Für mich überwiegt aber die Erleichterung. Gewissermaßen erobere ich nun verloren geglaubtes Land zurück.

Kalte Nächte verbringt man seither endlich wieder in völliger Einsamkeit. Nur noch selten wird die Stille am Morgen beim Sonnenaufgang von Joggern oder Gassigängern gestört.

Meine Drang raus zu gehen ist nun wieder ungebremst. Ich nutze jede freie Minute um ans Wasser zu kommen. Ob beim Füttern, Beobachten oder Fischen selbst, sauge ich die Stimmung förmlich auf. Mit Kaffee in der Hand blicke ich gerne stundenlang aufs Wasser und finde beim Angeln wieder einen echten Ausgleich zum Alltag.

Meine Ausbeute ist angesichts der bereits bei 11Grad angekommenen Wassertemperatur zwar nicht mehr mit der im Spätsommer zu vergleichen. Meine Freude über jeden einzelnen gefangen Karpfen ist dafür umso größer. Fast schon berauscht vom zurück gewonnenen Antrieb, schärft sich auch wieder der Blick für Details. Mit der Kamera in der Hand verliert man sich schnell in der herbstlichen Idylle. Der Frust des Sommers gerät langsam in Vergessenheit.

Der Herbst lässt mich zur Ruhe kommen und lenkt den Focus wieder aufs Wesentliche: Ruhe, Natur und einfach Angeln.

Jetzt ist es wieder meins.

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