Wieder im Spiel

Die letzten zwei Monate waren für mich enorm anstrengend. Mir blieb kaum Zeit fürs Angeln. Neben einem Vollzeitjob, Familie und Umbau- bzw. Renovierungsmaßnahmen am Haus, ist meine Familie um ein weiteres Mitglied gewachsen. Darauf bin ich stolz und ich danke Gott, dass alles gut verlaufen ist. Meine Verantwortung und die Verpflichtungen sind damit jedoch weiter gestiegen, mein Zeitbudget zum Angeln weiter geschrumpft. Nicht dass ich mich beschwere, meine Familie geht mir über alles. Dennoch braucht ein jeder seine Auszeit. Und die nehme ich mir nun wieder mit einzelnen Angelnächten. Den Malerweiß-Eimer inklusive Pinsel und Malerrolle habe ich wieder gegen einen Angeleimer mit Boilies und einem Easy-Stik-Wurfrohr getauscht.

Endlich ist Freitag. Wir haben 16.00 Uhr – Feierabend. Mein Wagen ist bereits gepackt. Nach der Arbeit geht es vom Firmenparkplatz aus auf direktem Weg ans Wasser. Dort muss ich dann nur noch mein rollendes Bedchair beladen und den weiten Weg ans Wasser hinunterlaufen. Am Montag und Mittwoch der vorausgegangenen Woche habe ich jeweils spärlich mit eineinhalb Kilo Boilies gefüttert. Da ich in den letzten Wochen durch meine Abwesenheit am Wasser nichts mitbekommen habe, wollte ich erst mal testen, ob überhaupt etwas passiert, ob die Fische noch aktiv sind. Also lieber spärlich füttern.

Da das Gewässer, das ich zurzeit befische, ohnehin sehr nahrungsreich ist, füttere ich zwar wenig, dafür aber mit viel Lockwirkung. So habe ich meine Köder über mehrere Tage mit Tuna L030 vorbehandelt. Sparsam und mit höchst attraktiven Futter den Erfolg einfahren – so zumindest die Theorie. Abends sitze ich noch lange vor meinem Schirm und lasse die Geschehnisse der letzten Monate noch einmal Revue passieren: Die Geburt unseres zweiten Sohnes mit längerem Krankenhausaufenthalt, der Job, der Umbau am Haus – alles zeitgleich. Stress pur!

Nun kommt scheinbar wieder mehr Ruhe und Struktur ins Leben, Zufriedenheit stellt sich ein.

Als ich gegen Mitternacht in den Schlafsack schlüpfe, schrecke ich durch ein lautes Klatschen auf. Mein Blick gilt meinem Platz vor einem Krautfeld in etwa 50 Meter Entfernung, an dem ich meine beiden Rigs ausgelegt habe. Ich erkenne in der windstillen und hellen Nacht einen großen Kringel mitten auf meinem Futterfeld. Die Karpfen sind da! Adrenalin schießt in meinen Körper, ich werde unruhig – warte jeden Moment auf Aktion. Ja, auch nach all den Jahren habe ich glücklicherweise das Feuer nicht verloren.

Leider bleibt alles still und es dauert noch bis zum frühen Morgen, bis sich mein rechter Delkim meldet. Die Rutenspitze steht krumm, die Rollenbremse habe ich fast zu gedreht. Ich fliege zur Rute, denn ich fische vor einem großen Krautfeld. Da gilt es, keine Zeit und keinen Meter Schnur zu verlieren. Mein Gegenüber ist ein ungestümer Rüpel. Ein schuppiger Raufbold, den ich aber nach etwa zehn Minuten im Kescher habe. Ich freue mich ungemein über den zwanziger Schuppmann, eine willkommene Abwechselung zum Stress der letzten Zeit. Zudem scheint meine Taktik aufzugehen. Die erfolgreiche Rute habe ich in Windeseile wieder auf den richtigen Abstand geclippt und sanft auf den Platz geworfen.

Es ist noch dämmerig. Gerade bei schlechter Sicht funktioniert das Einclippen der Schnur im Schnurclip der Rolle prima. Wenn man vorher die richtige Entfernung einstellt, landet die Montage jedes Mal wieder perfekt am Platz. In meinem Falle darf ich auch nicht zu weit werfen, dann liege ich mitten im Kraut.

Ich füttere nur eine handvoll Boilies nach. Ich will sehen, wie viele Fische unterwegs sind und wie lange es dauert, bis hoffentlich noch ein Biss kommt. Ich schlafe nochmals tief ein und werde etwa eine Stunde später erneut durch einen Anbiss geweckt. Ein nicht weniger rüpelhafter Karpfen liefert einen packenden Drill. Er stürmt von einem Krautfeld ins nächste. Gott sei Dank habe ich starke Wide Gape XX Haken drauf, die ich bereits während der Testphase im letzten Jahr ausprobiert habe. So habe ich viel Vertrauen aufgebaut.

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich den zweiten Raufbold endlich ins Netz bekomme. Es ist ein schöner Endzwanziger. Mittlerweile ist es nach 9 Uhr und ich habe das Verlangen nach Hause zu gehen. Ich habe eine erfolgreiche entspannte Angelnacht hinter mir, aber jetzt rufen erst mal wieder andere Pflichten. Ich komme zurück. Mein unermüdlicher Drang zieht mich jetzt zum Herbst jedoch wieder an die großen Baggerseen. Ich hoffe, dort finde ich genauso schnell wieder zurück ins Spiel...

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