Vom Regen ins Glück

Moment mal. Kommt nicht bekanntermaßen nach dem Regen die Traufe? Richtig erkannt, liebe Leser. Und zum Saisonstart war bei mir nicht nur das Wetter heiter bis wolkig, sondern auch angeltechnisch sah es dunkel aus. Das Sprichwort schien also seinem Sinn gerecht zu werden. Mittlerweile erstrahlt das triste Grau in saftigen Frühlingsfarben. Kaum mehr Nächte unter 10°C und ein paar lange, sonnige Tage läuten die Laichzeit ein. Kaum zu glauben, aber wir haben bereits Juni, es ist Halbzeit. Höchste Zeit für ein erstes Zwischenfazit.

Von Startschwierigkeiten konnte in diesem Jahr bei mir angeltechnisch nicht die Rede sein. Ein Bilderbuchfehlstart trifft es eher.

Erste Versuche an Fisch zu kommen, unternahm ich Anfang Februar. Ziemlich idealistisch, wenn man bedenkt, dass ich an der Havel in der Vergangenheit selbst in der Hochsaison zahlreiche Blanks eingefahren habe. Deshalb steckte ich viel Zeit in Location und Futter. Mit Boot, Echolot und Thermometer ging es auf Spurensuche. Wo halten sich die Havelnormaden auf? Ich fand vielversprechende, wärmere und beruhigte Gewässerbereiche mit Totholz. Eigentlich das ideale Winterquartier. Dazu wurden gut wasserlösliche Boilies mit PVA-Sticks angeboten. Freilich – alte Kamellen, aber in meiner alten Heimat Thüringen hat’s immer geklappt.

Meine Motivation verpuffte nach sechs Blanknächten wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Meinen Hoffnung auf einen Winterrüssler legte ich auf Eis und verschwand für ein Monat nach Thailand.

Frisch gebräunt und mit neuer Motivation ging es Mitte März weiter. Aufgrund der ansteigenden Wassertemperatur entschied ich mich, einen Platz über mehrere Wochen hinweg zu füttern. Die Futtermenge von drei Kilogramm Boilies pro Woche scheint lächerlich angesichts der gewaltigen Wasserfläche. Doch aus meiner ersten Saison am Strom habe ich gelernt: Weniger ist mehr. Gerade wenn die Rüssler noch nicht richtig in Gang sind. Dann zahlt sich Kontinuität aus.

Meine Erfahrung bestätigte sich, Anfang April fing ich meinen ersten Karpfen der Saison. Aber meine Freude über den 6-Kilofisch währte nicht lange, denn mein Futterplatz wurde fortan all abendlich von Aalanglern heimgesucht. Die fingen mir zwar keine Karpfen vor der Nase weg, verursachten dafür jede Menge Lärm und blockierten mein Spot. Die darauf folgenden zwei Wochen füttern waren umsonst. Kein Rüssler ließ sich mehr blicken. Mir blieb nichts anderes übrig, außer der Klappstuhl-Fraktion den Platz zu überlassen.

Nochmal wollte ich mir diese Blöße nicht geben und wählte eine Stelle abseits der Zivilisation im Brandenburger Hinterland aus. Bis Anfang Mai und trotz großer Mühen wollte der Knoten bei mir einfach nicht platzen. Das Pech klebte mir an den Versen. Der Druck wuchs stetig, endlich wieder Fisch zu fangen. Meine ganze Hoffnung lag nun auf dem neuen Spot. Umso größer war die Freude, als ich bereits nach einer Woche füttern einen Rüssler auf die Matte legen konnte. Aber diesmal sah ich den Anfangserfolg nüchterner. Zu Recht. Denn kurze Zeit später setzte sich ein anderer Karpfenangler ins gemachte Nest und fing prompt drei Karpfen. Der Sportsfreund sah zum Glück ein, dass es nicht in Ordnung ist, die Früchte meiner Arbeit zu ernten und fischte woanders weiter.

Nun war meine Zeit gekommen. Leider falsch gedacht. Die besoffenen Horden auf dem Wasser zu Christi Himmelfahrt machten mir ein Strich durch die Rechnung. Neben Lärm bis spät in die Nacht, zog die betrunkene Besatzung auf einem Partyfloß ihren Anker absichtlich durch meine Schnüre. Angesichts dieser Barbarei muss man sich fest an seine Menschlichkeit klammern, um nicht selbst zum Barbar zu werden. Um ein Haar hätte ich das Projekt Havel aufgegeben.

Jetzt galt es, der Havel mit ihrer Unbarmherzigkeit die Stirn zu bieten. Ich blieb am Ball und fütterte weiter. Und ich wurde belohnt. Nach dem Bilderbuchfehlstart ist es für mich unvorstellbar, endlich eine Serie ansehnlicher Karpfen gefangen zu haben. Doch wie lange währt das Glück?

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