Vom Oster-Dilemma

Schon am Palmsonntag hatte ich mit Blick auf das bevorstehende Osterwochenende ein ungutes Gefühl. Im Vorfeld checkte ich die Wettervorhersage: Sonne satt, Temperaturen bis 25Grad und kein Schauer in Sicht. Ideal um im rasch wärmer werdenden Wasser Karpfen zu überlisten und ganz nebenbei den ersten Sonnenbrand des Jahres zu bekommen.
Wahrlich rosige Aussichten, wären da nicht meine Erfahrungen der Vorjahre. Ostern sind die meisten Gewässer von Anglern besser besucht, als manch eine Jahreshauptversammlung des betreffenden Angelverereins.

Auch Nichtangler treibt es angesichts solcher Aussichten nach Draußen. Freunde berichteten mir, dass die einschlägigen Szenegewässer bereits in der Woche vor Ostern mit Anglern übervölkert waren. „Frühbucher“ sicherten sich also die vermeintlich besten Plätze. Schnell war klar, dass ich einen großen Bogen um diese Strategen machen würde.

Da Ostern ohne Fischen aber auch keine Option war, suchte ich am Karfreitag meinen Frieden am Fluss. Ein Platz, so schlecht zu erreichen und so schwer zu befischen, wie nur möglich, sollte es sein. Und tatsächlich fand ich hier die gewünschte Ruhe und konnte schnell den ersten Fisch fangen.
Genau so schnell kippte aber auch meine Stimmung, als die ersten Kanuten meinen Rückzugsort für sich entdeckten. Knappe zwei Stunden nach dem ersten Karpfen, fing ich auch die ersten drei Kanufahrer des Wochenendes.
Die ersten beiden entschuldigten sich noch für ihre Unachtsamkeit. Der dritte kostete mich dann bereits einige Meter Hauptschnur und ließ es sich nicht nehmen, anlässlich des Malheurs ein paar Nettigkeiten auszutauschen.
Höchste Zeit zu gehen. Rückzug und Deeskalation, schließlich stand Ostern vor der Tür…

Ziemlich bedient vom Erlebten, nutze ich den angefangenen Karfreitag für einen Ausflug mit meiner Freundin. Auch am Ostersamstag zog ich die Arbeit dem Angeln vor. Wahrlich eine Entscheidung mit Seltenheitswert. Erst am Sonntag waren meine Wunden geleckt und in mir die Idee gereift, es noch einmal an einem kleinen Kanal zu probieren. Hier erwarteten mich zahlreiche Spaziergänger und Radfahrer.

Nicht gerade ruhig, aber allemal besser als auf Krawall gebürstete Kanuten.

Das Kanalufer bot zudem genügend Platz um anderen Anglern aus dem Weg zu gehen. Zudem waren viele „Frühbucher“ ja noch immer an ihren Szenegewässern beschäftigt.
Ich fing eine gute Handvoll uriger Kanalkarpfen. Alles keine Riesen. ich war trotzdem happy! Vermutlich sieht mich der Kanal schnell wieder. Denn mit dem 1. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten stehen schon die nächsten verlängerten Wochenenden an. Je nach Wetter werden auch dann wieder Angler und Nichtangler zuhauf in die Natur strömen und das nächste Dilemma steht ins Haus.

Aber nur Mut, auch diese Feiertage gehen irgendwie vorüber.

Patrick Reuter

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