„Social-Weekend“

Jedes Jahr dasselbe Spiel: Gefühlte 100 Mal telefoniere ich mit meinem Lieblings-Angelbuddy Patrick. Es geht um einen passenden Termin für ein gemeinsames Angel-Wochenende. Drei bis vier Optionen fassen wir ins Auge, um den finalen Termin mit den Plänen der restlichen Familie abzustimmen. So ist schnell das passende Wochenende gefunden. Ohne Ärger zuhause.
In diesem Früh-Sommer ist Patrick´s Wahlheimat Würzburg der Austragungsort für unser „Social-Weekend“.
Kurz vorher philosophieren wir noch kurz über Futter, reichlich Grillfleisch und das ein oder andere kalte Bier. Die wichtigen Dinge wollen schließlich vorab organisiert werden.

Am Freitag Morgen bin ich unterwegs in Richtung Würzburg. Knappe zwei Stunden später halte ich meine Gastkarte für den Main in der Hand. Raus aus dem Decatlon und mit dem rechten Fuß auf dem Bodenblech ab in Richtung Fluss. Dank passender Wegbeschreibung finde ich unseren Treffpunkt ohne Probleme.

Ich bin gut vorbereitet. Mein Trolley steht fertig vorgepackt im Bus. Mit dem ganzen Gerödel noch gute zehn Minuten durch das Dickicht – da liegt er, der Main. Jedes mal aufs Neue bin ich fasziniert von dieser Gewässerart. Das Flussangeln hat für mich etwas Magisches. Man weiß nie, was kommt.
Nach einer 10-minütigem Einweisung von Patrick bin ich im Bilde. Unsere Camps liegen nur knapp 100 Meter auseinander. In Rufweite quasi. Jetzt noch die Ruten rein, Futter drauf und hoffen, dass kein Boot die Schnüre einsammelt.

Leider reines Wunschdenken. Ich darf an diesem Tag insgesamt drei neue Montagen binden, weil einige Sportbootfahrer uns zeigen wollen, wie cool sie sind. Einer davon hat aber sicher seine Lektion gelernt, denn er muss gefühlte 80 Meter meiner Hauptschnur aus seinem Motor operieren. Wohl eher uncool. Der fährt auf jeden Fall nie wieder fünf Meter vom Festland entfernt mit Vollgas durch unsere Ruten.

Gegen Abend werden die Party-Leute weniger, jetzt kommt unsere Zeit. Zur Sicherheit die Ruten noch einmal neu werfen und richtig Futter drauf.
Es bleibt zunächst ein ruhiger Abend, bis kurz vor Mitternacht einige kurze Pieper aus Patrick´s Bissanzeiger tönen. Fünf Minuten später liegt ein Döbel im Kescher. Ein echter Prachtkerl. Aufs Foto schafft er es allerdings nicht, weil sich vorher meine Funke im Dauerton meldet.
Ein kurzer aber harter Drill und mein erster Flusskarpfen 2020 liegt im Netz. Ich bin überglücklich.

Die restliche Nacht bleibt es ruhig, inklusive dem kommenden Tag. Aber effektives Angeln ist an diesem Tag dank vieler Tanker, Sportbooten und Badegäste fast unmöglich. Aufregen hilft nicht. Wir nutzen stattdessen die Zeit, um uns für die Nacht vorzubereiten, genießen die Sonne und schöpfen Kraft für alles was da noch kommen mag.

Aber auch die letzte Nacht verläuft leider nicht nach Plan. Positiv denken: Ausschlafen ist angesagt.

Doch unsere Frühstücksrunde kurz vor der Abreise wird schnell unterbrochen. Zwischen Kaffee kochen und Pfannkuchen backen werden wir zweimal zum Aufstehen aufgefordert. Jeder von uns darf noch einen schönen Flusskarpfen landen. Einen gelungenen Ausstand könnte man das nennen.

So darf unsere gemeinsame Session im kommenden Jahr auch wieder laufen: gemütlich, kein Stress, dafür Muskelkater vom Lachen und dann noch mit dem ein oder anderen Fischbild auf der Speicherkarte. Was will man mehr?

 

Thomas Rechenbach

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