SCHLUSSOFFENSIVE

Vielfach wird sie bemüht, oft herbei geredet und nicht selten findet sie sogar wirklich statt – die Schlussoffensive. Beim Fußball zum Beispiel. Da wird in den letzten Minuten des Spiels noch einmal alles in die Waagschale geworfen. Ungeachtet des zu vorigen Spielverlaufs versucht die zurückliegende Mannschaft unter Einsatz letzter Kraftreserven das Blatt noch zu wenden. Und tatsächlich: Oft genug lässt sich eine drohende Niederlage noch abwenden.

Auch unsere Angelsaison schreit im Herbst gerade zu nach einer Schlussoffensive. Die Tage werden schon im Oktober rasch kürzer und spätestens im November merkt man, wie die Zeit davon läuft. Der nicht nur unter Karpfenanglern ungeliebte, kalte und dunkle Winter rückt in großen Schritten näher und manch einem Angler wird bewusst, dass die vor der Saison gesteckten Ziele noch nicht erreicht sind. Was liegt da näher, als noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren?

Jede Angelsaison verlangt nach einem gebührenden Abschluss. Noch ein paar gute Fische sollen jetzt noch ins Album wandern. Von den Bäumen fallende, bunte Blätter bieten zudem eine malerische Kulisse für die obligatorischen Fangfotos. Und vielleicht lässt sich jetzt tatsächlich noch ein richtig Dicker landen?

Aller Euphorie zum trotz macht sich bei mir doch eher Ernüchterung breit. Meine Futtermengen musste ich angesichts rapide sinkender Wassertemperatur schon drastisch reduzieren. Ein halbvoller Eimer kleiner Boilies pro Ansitz reicht nun völlig aus. Ich bekomme kaum noch Bisse und kann auch immer weniger Fischaktivitäten auf meinen Spots ausmachen.

Im schwachen Licht der Herbstsonne kommt bei meiner letzten Session dann doch noch der erhoffte Biss. Leider kein Anlass zum Überschwang. Denn nicht mein Zielfisch, sondern ein ordentlicher Döbel hat meinen Boilie gefunden und mich von der Liege geholt.

Ein paar Wochen zuvor war ich von derartigen Beifängen noch genervt. Jetzt bin ich für jedes Lebenszeichen dankbar. Dann findet doch noch ein kleiner Schuppi den Weg in meinen Kescher. Puuuhh – damit ist ein Blank abgewendet. Zumindest dieses Mal. Ich stelle selbstkritisch fest, dass sich meine Ansprüche bereits relativiert haben. Und vielleicht war das schon mein letzter Karpfen für dieses Jahr.

Realistisch betrachtet wird zumindest meine erfolgreiche Schlussoffensive wohl ausbleiben.

Patrick Reuter

 

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