Schluss mit lustig!

Blanken ist nicht cool, blanken macht mürbe. Wer über Wochen oder sogar Monate nichts fängt, beginnt zu zweifeln. Am Spot, an den Ködern, am einstigen „Vertrauens-Rig“, an der Futter-Strategie. Schlussendlich stellt man das gesamte Angeln in Frage. Daran ändern auch viele Jahre Erfahrung und die damit gewonnene Gelassenheit nichts. Irgendwann ist einfach Schluss mit lustig!

Außerdem: Zu viele Zweifel sind schlechte Voraussetzungen, wenn der Endspurt des Jahres näher kommt. Dann braucht man es ganz besonders: jedes Fünkchen Einsatzwillen und Selbstvertrauen. Nur dann kann es an schwierigen Gewässern (vielleicht) noch gelingen, das Ruder herum zu reißen, um das Jahr mit einem gewichtigen Abschluss zu krönen.

Wenn es an meinem Hauptgewässer, einer dünn besetzten Kiesgrube, trotz dem sprichwörtlich goldenen Herbst partout nicht laufen will, brauche ich zwischendurch Abwechslung. Ich muss ausbrechen aus dem gewohnten Trott von aufbauen, nichts fangen und wieder abbauen. Ich brauche Action, muss wenigstens zwischendurch mal einen Karpfen fangen. Damit ich überhaupt noch weiß, wie´s geht. Ja, ich bin überzeugt – man kann es vergessen, wie es sich anfühlt, wenn ein Fisch am anderen Ende der Leine zerrt. Alles nur eine Frage der Zeit.

Soweit will ich es nicht kommen lassen. Nur dafür braucht es ein gut besetztes Ausgleich-Gewässer, an dem es nicht so schwer ist, einen Karpfen zu fangen. Gar nicht so einfach zu finden, so ein Gewässer. Denn „leicht“ ist erfolgreiches Karpfenangeln heute beileibe nicht mehr.

Einfach so einen Fisch fangen, ohne großen Aufwand – das gab es mal in meiner Jugend. Heute läuft an den meisten Gewässern nichts, ohne vorher wenigstens ein wenig Futter hinein zu werfen, oder ohne vorher stundenlang Location zu betreiben, um danach seine Köder möglichst präzise und in direkter Nähe zum nächsten Fischmaul zu präsentieren. Selbst Gewässer, an denen man früher in ein paar Stunden angeln locker drei oder vier Karpfen fangen konnte, präsentieren sich heute in einem komplett anderen Bild. Bis vor 20 Jahren jedes Jahr mit K2 besetzt, sind es heute nach jahrelangem Raubbau der Knüppel-Fraktion wahre Low-Stock-Seen. Zumindest gefühlt wird es jedes Jahr schwieriger, überhaupt noch einen Karpfen zu fangen. Selbst an vergleichsweise einfachen, gut besetzten Gewässern.

Aber manchmal klappt es eben doch. Offenbar habe ich alles richtig gemacht, ich hatte den richtigen Riecher. An einer kleinen Kiesgrube wird mein Tapetenwechsel schließlich von Erfolg gekrönt. Nicht sofort beim ersten Ansitz. Das habe ich aber nicht erwartet. Aber schon beim zweiten Anlauf klingelt es. Zunächst gleitet ein schöner Schuppmann in die Maschen, am Morgen gefolgt von einer unglaublichen Zeile. Mein Rig funktioniert plötzlich wieder. Beim darauffolgenden Ansitz fange ich die Fische Nummer drei und vier – als hätte ich nie an irgendetwas gezweifelt.

Es sind zwar keine Riesen, die auf meiner Matte landen.
Mir ist das egal. Hauptsache es zuppelt mal wieder etwas am anderen Ende.

Kay Synwoldt

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