Scheiß auf Heuschnupfen

Selbst die letzten Fluchten des rauhen Baggersee-Rüppels am anderen Ende der Leine sind ruhig aber gewichtig. Seit geschätzten 15 Minuten stehe mit meiner Watthose und stark gekrümmter Rute im klaren Wasser und kämpfe. Vor mir befindet sich eine dichte Krautbank, dort habe ich schon mal einen Fisch verloren. Ich bin sehr nervös und weiß, dass mein Gegenüber kein kleiner Karpfen ist.

Seit gestern bin ich hier. Direkt nach der Arbeit habe ich im Eiltempo meine Montagen ins Wasser befördert. In genau 102 Metern fische ich auf einer abfallenden Kante im etwa 7 Meter tiefem Wasser. 34 Wicklungen an meinen Messstangen, die 3 Meter auseinander stehen und zack - die Schnur in den Clip. So landet die Montage immer genau.

Die Woche über habe ich zweimal kräftig mit 24 mm Pacific Tuna Boilies vorgefüttert. In diesem See gibt eine Menge Brassen in Einheitsgröße und so ziehe ich momentan vorsorglich auch extra harte und große Hakenköder aufs Vorfach. Falls zu viele Brassen am Platz sind und mein üppiges Vorfüttern nur die Schleimer angelockt hat, habe ich wenigstens etwas mehr Ruhe. So zumindest die Theorie.

Auch das natürliche Nahrungsangebot im See ist momentan gewaltig. Kaulquappen, Brassenlaich, Schnecken – ein reich gedeckter Tisch und ein echtes Festmahl für alle Wasserbewohner.

Dennoch versuche ich mit meinem Angelfutter mit den natürlichen Leckereien zu konkurrieren. Und dieses Festmahl gibt es dieses Mal bei mir. Und offenbar sind die Fische auch dieser Meinung.

Mein erster Kescherveruch misslingt. Vor mir im Wasser sehe ich einen langen, dunklen Spiegler, den ich auf über 40 Pfund schätze. Hoffentlich hält dieses Mal der Haken. Meine Nervösitiät ist auf dem Höhepunkt. Gerade in der Endphase des Drills ist das Risiko eines Fischverlustes besonders hoch. Da jetzt besonders viel Druck auf den Haken kommt, darf man sich keinen Fehler erlauben. Ich versuche mich zu konzentrieren, aber es fällt mir schwer. Denn ich bekomme sehr schlecht Luft. Meine ganze Fresse brennt und juckt. Meine Heuschnupfen-Allergie, die mich seit über 20 Jahren beim Angeln begleitet, macht mich momentan wahnsinnig. Unwohlsein, Halskratzen, Nase laufen, geschwollene Augen und ständiges Niesen – das volle Programm. Es sei mir gegönnt! Luftblasen steigen vor mir an die Wasseroberfläche empor. Gleich bist du mein – Freundchen. Kurze Zeit später landet der Fisch im Netz. Ich bin der glücklichste Mensch.

Scheiß auf den Heuschnupfen!

Die Reuben&Heaton Waage bringt mir Gewissheit. Mein anfangs noch im Wasser geschätztes Gewicht des Karpfens passt. Kurze Zeit später läuft eine zweite Rute ab. Diesen Fisch bekomme ich auf der weiten Entfernung recht schnell an die Wasseroberfläche. Meistens sind das die kleineren Exemplare. Ich sollte Recht behalten, aber meine Freude über einen Mittzwanziger ist trotzdem riesengroß. Ich hatte bislang ein sehr schlechtes Jahr und bin dankbar über jeden gefangenen Fisch.

Da sitzt man nun die ganze Session ohne Biss und dann kommen plötzlich zwei in einer halben Stunde – kurz vorm Einpacken.

Hätte ich früher eingepackt, wäre ich leer ausgegangen. Hätte die Schuld beim Futter, Wetter oder auf beim natürliche Nahrungsangebot gesucht. Naja, das ist eben auch Karpfenangeln und relativ typisch für größere Baggerlöcher.

Zufrieden fange ich an alles zusammenzupacken. Zwei Anbisse habe ich gehabt und beide Fische habe ich gelandet. Es ist schon schlechter gelaufen in diesem Jahr. Doch nun steht erst einmal Familienurlaub an. Und ich brauche mal kurz Abstand vom Angeln und von diesem verdammten grünen Dreckszeug, gegen das mein Körper so enorm allergisch reagiert. Doch ich habe Pläne, wenn ich wieder komme und werde mal wieder einem größeren alten Baggerloch in Nähe des Rheins einen Besuch abstatten.

Da gibt es noch eine offene Rechnung...

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