PARTY ON!

Das Leben ist eine Party.
Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man zurzeit an öffentlichen Gewässern beim Angeln ein wenig Ruhe finden will. Die wilden Horden sind los – den sommerlichen Temperaturen sei Dank. Selbst unter der Woche herrscht an vielen Ufern Trubel. Überall steigen Rauchsäulen von den Grills empor, dazu Gejohle und harte Beats aus dem Lautsprecher bis tief in die Nacht. Wenn man die Augen schließt, könnte man glauben, man befindet sich am Ballermann.

Es dauert zumeist nicht lange, dann gibt es im vom Alkohol befeuerten Überschwang die ersten Arschbomben in den See zu bestaunen. Die richtig harten Jungs zuerst. Und vom grölenden Pöbel am Ufer werden Haltungsnoten für den jeweiligen Sprung ins kühle Nass vergeben.
Schwimmen verboten!
Wen juckt´s?
Na gut, ich kann es verstehen, ich war auch mal jung und wohl auch kein Kind von Traurigkeit. Solange der Arschbomben-Contest nicht direkt neben meinen Ruten stattfindet und die Feierwütigen mich nicht voll labern, mache ich es wie die Kanzlerin: Ich sitze das Problem aus.
Die Karpfen scheint der Lärm ohnehin kaum zu stören. Und vielleicht kann ich nach Beendigung des Gelages im Morgengrauen noch einen neugierigen Rüssler abgreifen, der im zuvor von Schwimmern aufgewühltem Sediment nach einem hastigen Snack sucht.

Was mich hingegen maßlos ärgert, sind die Hinterlassenschaften der wilden Nächte. Papiertüten vom Schnellimbiss, Plastikverpackungen, Einwegbesteck, Kippenstengel, Bierdeckel und Leergut liegen überall herum – obwohl es nur ein paar Schritte zur nächsten Abfalltonne wären. Man müsste seinen ganzen Dreck also nicht einmal mit nachhause nehmen.
Aber wofür sich die Mühe machen? Es gibt ja doofe Angler wie mich, die keine Lust haben ihr Hobby in vermüllter Natur auszuüben. Wie oft habe ich vor dem Angeln ganze Säcke voll Unrat eingesammelt, Einweggrills aus dem flachen Uferwasser gefischt und die Scherben der Nacht einzeln aufgesammelt?
Diese weit verbreitete Wegwurfmentalität – für mich schlicht eine Folge fehlender Erziehung.

Vielleicht sollte ich die zerdepperten Glasflaschen auch einfach liegenlassen? Dann hätte sich das mit dem Schwimmen bald erledigt. Aufgeschnittene Füße wären sicher eine Partybremse. Aber so bin ich nicht erzogen. Zumal die scharfen Splitter auch Watstiefeln oder Schlauchboot schaden könnten.

Für meine Dienste an der Umwelt darf ich indes keinen Dank erwarten. Im Gegenteil. Mit meiner Umsicht schneide ich mir vermutlich noch ins eigene Fleisch. Schließlich sind die Ufer auf diese Art immer aufgeräumt. Wenn der Reinigungsdienst kommt, habe ich längst eingepackt, das Problem wird nicht offensichtlich. Und für die Behörden gibt es in der Folge keinen Handlungsbedarf. Sie können weiter wegschauen und derweil die doofen Angler schikanieren.

Kürzlich stand noch so ein Offizieller hinter mir. Mit grüner Klamotte und wichtigem Ausweis. Ein Zelt mit Boden sei hier nicht erlaubt, wollte er mich belehren.
„Und was ist mit den beiden gelben Pop-up-Zelten am gegenüber liegenden Ufer?“, wollte ich wissen.
Offenbar die falsche Frage. Denn nun wurde der Grüne richtig sauer und wollte mir weiß machen, dass ich an diesem Platz sowieso nicht angeln darf und unverzüglich das Feld zu räumen hätte.
Für die gelben Zelte gegenüber? Da sei er nicht zuständig.
Würde ich an seiner Stelle auch behaupten, denn da drüben gibt es (anders als bei mir) vermutlich gleich auf die Jacke, wenn er die angeschlagenen Chiller unsanft aus ihrem Vodka-Rausch weckt.

So ist das immer bei uns: Die Behörden verzetteln sich mit unwichtigen Grabenkämpfen, anstatt die wahren Probleme anzugehen. Dabei müsste man sich nämlich die Hände schmutzig machen. Da gilt dann die alte Maxime: "Kammerad schieß Du, ich hol Verpflegung."
Aber gut – genug gekotzt für heute.
Ich warte derweil einfach auf trüberes Wetter.
Dann ist die große Party am Wasser von ganz alleine vorbei.

Kay Synwoldt

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