OSTERN FÄLLT AUS

Ostern steht vor der Tür. Endlich ein paar Tage frei, ausspannen – und angeln! Aber die freien Tage bedeuten auch Stress. Denn der erste große Run auf die Gewässer steht bevor. Alles was irgendwie laufen kann, scheint nur ein Ziel zu haben: endlich raus.
Endlich die neuen Ruten ausprobieren, die neuen Bissanzeiger einweihen, die neuen Köder auf ihre Anziehungskraft testen. Viel Trubel AM Wasser, dementsprechend viel Futter IM Wasser. Quasi von Null auf Hundert in wenigen Stunden. Keine guten Voraussetzungen für den großen Fischzug. Die Karpfen hatten jetzt viele Monate Ruhe und müssen sich langsam wieder an grüne Zelte am Ufer gewöhnen.

Ich kenne das schon: Wer nicht schon mittags am Start ist, wird am Donnerstag Abend an den einschlägigen Gewässern eine Nummer ziehen müssen, um einen Parkplatz zu bekommen. Danach irgendwo in die Reihe setzen? Ohne mich!

Die allgemeine Euphorie ist nachvollziehbar. Nach einem scheinbar nie enden wollenden Winter – welcher Angler ist da nicht heiß wie Frittenfett? Da bin ich keine Ausnahme.

Trotzdem werde dieses Jahr nicht darauf hereinfallen, werde mir meinen obligatorischen Oster-Blank sparen, Vernunft über Ungeduld stellen.

Ich lasse es lieber langsam angehen. Denn wir sollten nicht vergessen: Unter Wasser herrscht immer noch tiefster Winter. Gerade an unseren eher tiefen Baggerlöchern wird es schwierig, etwas zu fangen. Darüber dürfen die paar milderen Tage nicht hinweg täuschen. Zumal ich hier am Niederrhein die Tage mit halbwegs zweistelligen Temperaturen bis jetzt noch beinahe an einer Hand abzählen kann. Unbedingt unterscheiden sollte man da nämlich zwischen den in der Vorhersage angekündigten Werten und den tatsächlich gemessenen. 20 Grad? So weit weg wie der Mars. Und selbst ein paar wärmere Tage nützen wenig, wenn es in der darauffolgenden Nacht wieder friert. Aber es könnte noch schlimmer kommen. Ostereier im Schnee habe ich nicht nur einmal gesehen.

Was tun? Eine Runde mit dem Hund um die Gewässer in der Umgebung drehen zum Beispiel. Murphy darf seinen Jagdtrieb ausleben und ich sehe, was (oder wen) ich verpasst habe – ganz unverfänglich und ohne unnötige Schlepperei. Oder ich könnte mein Tackle vorbereiten. Neue Schnur auf die Rollen, Rigs binden, neue Batterien in meine Bissanzeiger packen, meine Akkus fürs Boot aufladen...
Außerdem kann ich in der Carp-in-Focus-Redaktion nie über Langeweile klagen, es gibt immer etwas zu tun. Ich will es nicht abstreiten: Man kann über Ostern einen Karpfen fangen. Bei mir liegt dieses Glück jedoch schon ein paar Jährchen zurück.

Anders die heutigen Internet-Cowboys – die fangen immer. Die MÜSSEN fangen! Selbst wenn sie nichts fangen, fangen sie trotzdem. Irgendwo findet sich bestimmt ein mehr oder weniger passendes (Fisch-)Bild, was den angeblichen Oster-Abräumer in einem nachfolgenden (Jubel-)Post dokumentieren soll. Na klar, wer seinen Köder im Wasser hat, kann einen Karpfen fangen. Ich wünsche diesbezüglich für die bevorstehenden Tage viel Erfolg!

Für mich fällt Ostern dieses Jahr definitiv aus. Angeltechnisch zumindest.

Kay Synwoldt

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