Motivation tanken

Meine letzte Saison lässt sich einfach zusammenfassen: ein Reinfall. Das gesamte Jahr brachte ich es auf gerade einmal 10 bis 15 Nächte. Ich hatte zu viele andere Dinge im Kopf, die ich dem Angeln vorzog. Dementsprechend mager sah auch mein Fangbuch aus: nur ein paar kleine Karpfen. Aber vielleicht ist eine Pause manchmal ganz gut. Denn im Winter, an sich eine „angelfeindliche“ Zeit, kam die Lust zurück. Ich hatte wieder so richtig Bock aufs Fischen! So erging es auch meinem besten Freund und Angelpartner Julius. Schon früh im Jahr waren wir bereit, loszulegen.

Keinesfalls wollten wir die über den Winter gewonnene Motivation durch erfolglose, verfrühte Ansitze riskieren. Ende März wollten wir dann aber doch eine erste kurze Nacht riskieren.

Unsere Gewässerwahl fiel auf einen kleineren, flachen See, der durch alljährliche Besatzmaßnahmen einen großen Bestand an Karpfen hat. Logischerweise erreichen die Fische bei einem dichten Bestand selten kapitale Größen, weshalb der größte bekannte Fisch lediglich etwa 15 Kilogramm wiegt.

Auch wenn viele Leser jetzt vielleicht schmunzeln – die Größe der Fische war uns egal, wir wollten einfach nur irgendetwas ans Band bekommen. Im Dunkeln erreichten wir den See. Als wir aus dem Wagen stiegen, begann es zu regnen wie aus Gießkannen. Ein Zeichen?

Vielleicht sollten wir lieber nur ein wenig füttern, wieder nach Haus fahren und es eine Woche später versuchen? Nein, das kam nicht in Frage!

Wir fütterten vier Spots in Tiefen zwischen vier und einem Meter mit einem Partikelmix und beköderten unsere Montagen mit Maisketten.

Mit dieser Taktik rechneten wir uns gute Chancen aus, etwas zu fangen. Am nächsten Morgen dann die Ernüchterung: kein einziger Piepser! Fazit: Drei Grad minus in der Nacht sind einfach noch zu kalt. Einige Tage später versuchten wir es erneut für eine Nacht. Am darauffolgenden Morgen dann dieselbe Leier: Minusgrade und kein Ton aus den Bissanzeigern.

Zu Beginn unserer Osterferien kündigte die Wetterfee steigende Temperaturen an. Und tatsächlich: Am Wasser erwarteten uns angenehm milde Temperaturen und die Wetterapp sagte auch für die Nacht Plusgrade voraus. Das ließ hoffen.

Wir fischten mit fünf Ruten an vier verschiedenen Spots. Alle Spots fütterten wir mit etwas Mais und einigen Händen süßer Boilies. Als Hakenköder kamen wieder Maisketten, aber auch kleine Schneemänner und einzelne Pop-ups zum Einsatz. Wir setzten auf auffällige Köder, um auch die noch nicht fresswilligen Karpfen durch ihre Neugier zum Biss zu verleiten.

Schon kurz nachdem wir uns in unsere Schlafsäcke verkrochen hatten, meldete sich der erste Bissanzeiger und Julius konnte seinen ersten Karpfen der Saison fangen – einen kleinen Schuppi von etwa drei Kilogramm. Kurz darauf konnte auch ich einen kleinen Schuppenträger keschern. Über die „Satzer“ freuten wir uns wie kleine Kinder an Weihnachten. Die Leidenschaft war wieder geweckt.

Es folgten noch zwei weitere, für diesen See wirklich große Karpfen von 10,5 und 11 Kilo. In der zweiten Nacht beköderten wir alle Rigs mit Schneemännern und Pop-ups. Auf die Maisketten verzichteten wir, da wir es jetzt auf die Größeren abgesehen hatten. Schon um 21 Uhr ging unser Plan auf und ich konnte einen 9,5 Kilo schweren Karpfen fangen. Unsere Stimmung war schon auf dem Höhepunkt, doch was noch folgen sollte, übertraf alle unsere Erwartungen.

Gegen Mitternacht fing ich einen 13 Kilo schweren Fisch und am Morgen legte Julius mit 15,5 Kilo nach. Wahnsinn! Da kommen wir an den See, um überhaupt mal wieder einen Fisch zu fangen und auf einmal liegt einer der größten Fische des Gewässers auf unserer Matte. Manchmal kann es so einfach sein.

Solch ein Fangergebnis wäre für viele Angler vermutlich nichts Besonderes. Warum die Session für uns dennoch so wichtig war? „Motivation“ ist das Stichwort.

Wenn es beim Angeln einmal nicht so gut läuft, ist es wichtig, sich wieder motivieren zu können. Da zählen nicht die Gewichte, sondern nur das Fangerlebnis.

Uns haben unsere Touren im Frühling die Leidenschaft zurück gebracht und uns gleichzeitig motiviert, uns an größere Herausforderung heranzuwagen.

Mein Tipp also an all diejenigen, denen es vielleicht jetzt noch an Motivation mangelt: Sucht Euch zunächst ein einfaches Gewässer, das einen guten Bestand aufweist und das Ihr im Idealfall auch noch gut kennt. An einem solchen Gewässer werdet Ihr schnell zum Erfolg kommen und schon bald wieder Lust verspüren, Euch neuen Herausforderungen zu stellen.

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