MITEINANDER

Beim Karpfenangeln ist Marvin Glinka ein Einzelgänger. Eigentlich. Denn Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Vorausgesetzt, der passende Angelkumpel ist dabei, kann Glinka der gemeinsamen Angelzeit viel Positives abgewinnen.

Eigentlich bin ich, was das Karpfenangeln betrifft, ein Einzelgänger. Ich suche mir meine Gewässer selber aus, lokalisiere Erfolg versprechende Stellen ohne jemand anderes und bereite meine Plätze selbstständig vor. Und letztlich fange ich auch den Großteil meiner Fische, wenn ich alleine bin. Da muss ich nach Niemandem richten, ich muss mich in meiner Angeltaktik nicht einschränken und es gibt keinen Ärger bei der Platzwahl. Ich schalte mein Smartphone aus – lausche dem Wasser, beobachte die Natur und versinke in Gedanken. Ich fühle mich frei. Ich genieße die Zeit am Wasser so viel intensiver.

Und wenn ich dann einmal einen großen Fisch über die Maschen meines Keschers ziehe, muss ich nicht die schlechte Launen eines Mitanglers ertragen, der mir den Fang womöglich nicht gönnt. Neid und Missgunst sind, nach meinem Empfinden jedenfalls, unter Anglern besonders weit verbreitet. Diese Erfahrung habe ich in der Vergangenheit leider viel zu häufig gemacht.

Dass es auch anders geht, hat mir eine Session mit meinem niederländischen CC Moore Teamkollegen Willem Kwinten gezeigt. An einem herrlichen Sommer-Wochenende verabredeten wir uns zu einem gemeinsamen Angeln an einem deutschen Gewässer. Der Himmel war blau, die Sonne schien und die Karpfen hatten Hunger. Es herrschte eine lockere, ungezwungene Atmosphäre und es hatte etwas von Urlaub.

Zeitweise geriet unser Angeln sogar richtig stressig – zahlreiche Drills hielten uns in Atem und trieben uns nicht nur aufgrund der Hitze die Schweißperlen auf die Stirn.

Wir tüftelten zusammen eine Taktik aus, fütterten gemeinsam an, bereiteten unsere Montagen und Hakenköder zusammen vor. Wir fischten Lauf auf Lauf und freuten uns über unseren gemeinsamen Erfolg. Es war ehrliche Freude, keine gespielte Freude. Es war ein Miteinander- kein Gegeneinander, kein Nebeneinander.

Wobei der Erfolg dieser Session gar nicht in den Fängen an sich lag. Wir unterhielten uns bis tief in die Nacht, lagen dabei auf unseren Liegen und schauten zu den Sternen – redeten über Gott und die Welt. Hauptsächlich übers Angeln natürlich. Aber auch über Vergangenes, über die Zukunft, über unsere Ansichten, über unsere Träume. Auch da haben wir uns gemeinsam gefragt, warum es so ein Miteinander unter Anglern nicht häufiger gibt. Diese gegenseitige, ehrliche Freude, das Respektieren des Mitanglers, diese ungezwungene Atmosphäre. So bereitet selbst mir das Angeln mit einem Mitangler riesig viel Freude.

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