Mit Futter ins Frühjahr

Wenn sich das Wasser im Frühjahr langsam erwärmt, setzen viele Angler auf flexibles Angeln und eine Instant-Taktik. Längeres Anfüttern hat jetzt kaum einen Effekt – heißt es. Dominik Hengstschläger machte in diesem Frühjahr andere Erfahrungen.

Jedes Jahr aufs Neue ist es Balsam für die Seele, endlich wieder am Wasser zu sein und das Erwachen der Natur miterleben zu dürfen. Angetrieben von ersten sonnigen Tagen startete ich bereits Mitte März an einem für mich neuen Gewässer, genauer gesagt an neuen Bereich an diesem Gewässer. Der zirka 10 Hektar große See ist nämlich in mehrere Fischereirechte unterteilt, die unterschiedlich stark beangelt werden.

In dem wohl am stärksten befischten Abschnitt angelte ich im letzten Spätherbst noch einige Nächte unter der Woche. Bevor die Saison für mich zu Ende ging, konnte ich noch einen langgestreckten, über zwanzig Kilo schweren Schuppi fangen. Ein mehr als zufriedenstellender Abschied in die Winterpause, aber die richtig Großen aus diesem Gewässer hatte ich bis dato nur auf Fotos gesehen.

Für die nun angebrochene Saison hatte ich Glück und konnte die Erlaubnis für einen deutlich ruhigeren Bereich ergattern. Ein großer Vorteil, da ich nun ausgewählte Spots vorher befüttern kann, ohne befürchten zu müssen, dass ein anderer Angler meine Angelstelle besetzt.

Obwohl man im Frühjahr mit flexibler Angelei und sogenannter Fallenstellerei oft schneller zum Erfolg kommt, wollte ich die Fische an meinen Futterplatz binden. Ich erhoffte mir dadurch, konstanter und regelmäßiger Fische zu fangen.

Im zeitigen Frühjahr sind die Nächte oft noch kalt und die Fische halten sich gerne noch in tiefen Wasserbereichen auf. Für meine Futteraktion hatte einen rund fünf bis sechs Meter tiefen, leicht lehmigen Bereich ausgemacht. Dort brachte ich mehrmals pro Woche kleinere Futtermengen ein. Anfangs nur geringe Mengen an Pellets, ein paar 15 und 18 Millimeter OdysseyXXX Boilies von CC Moore, dazu die ein oder andere Schaufel weichgekochten Partikelmix. Ich wollte die Fische auf keinen Fall die Fische übersättigen.

Und es sollte natürlich kein Futter liegen bleiben.

Denn die vielen Wasservögel an meinem Gewässer brauchen meist nicht lange, um auf das Gratis-Futterangebot aufmerksam zu werden. Vorsichtshalber verlegte ich meine Fütterungszeit in die Abendstunden. Dann sind die lästigen Vögel nicht mehr aktiv und die Fische können in Ruhe bis in die Morgenstunden fressen.

Meine erste Nacht Mitte März brachte leider nur eine Brasse. Immerhin, ich hatte schon Fischaktivität am Futterplatz. Ich hielt an meinem Plan fest und erhöhte die Futtermenge sogar noch etwas. Ein paar Tage später leider ein erneuter Misserfolg. Meine Bissanzeiger blieben stumm. Wenigstens entschädigten mich traumhaftes Wetter und wohltuende Sonnenstrahlen.

Ich dachte gerade über meine möglicherweise übertriebene Futtermenge nach, als sich meine rechte Rute meldete.

Kurz darauf stand ich im Boot und fuhr in Richtung meines wohl ersten Karpfens in diesem Jahr. Gerade zum Saisonstart liegen Erfolg und Misserfolg oft sehr nahe beieinander. Aber diesmal klappte es: Kurze Zeit später umschlangen die Maschen meines Keschers einen perfekten Schuppi.

Danach war ich beinahe täglich am See, um zu füttern. Aufgrund mehrerer Brassen in den darauffolgenden Sessions verringerte ich die Menge an Pellets und Partikel. Im Gegenzug erhöhte ich die Größe meiner Boilies auf 18 und 24mm. Meine Anpassungen zeigten Wirkung, denn bei der nächsten Session konnte ich wieder einen Karpfen fangen.

Einer der wenigen Spiegler aus dem Gewässer und mit nicht ganz zwanzig Kilo ein weiterer Traumfisch.

Kurz nachdem ich den Fisch mittels Selbstauslöser ablichtete, musste ich meine Sachen packen. Die Arbeit rief. Doch nach getaner Arbeit wollte ich unbedingt nochmal raus. Es roch förmlich nach Fisch und nichts und niemand konnte mich nun vom Fischen abhalten.

Am Abend brachte ich meine Montagen erneut auf den gut gefütterten Spot aus und fütterte ein bis zwei Schaufeln Boilies rund um meine Rigs.

Kennt ihr das Gefühl, wenn man sich seiner Sache hundertprozentig sicher ist? So erging es mir an diesem Abend. Mein Gefühl sollte mich nicht enttäuschen. In dieser Nacht konnte weitere drei Karpfen fangen. Und dieses Mal war auch einen der richtig Großen dabei. Plötzlich lag er vor mir auf der Matte – mit 27,3 Kilo einer der Fische, die ich zuvor auf den Fotos anderer Angler gesehen hatte.

Mit solch einer Bombe hat sich mein Extra-Aufwand mit dem Füttern endgültig bezahlt gemacht.

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