Mission Weihnachtskarpfen

Weihnachtskarpfen haben bei uns Tradition. Schon bei meinen Urgroßeltern landete zu den Festtagen solch ein hoch gebauter Vierpfünder aus dem Fischgeschäft zuerst in der Badewanne, dann im Kochtopf.
Heute ist mein Weihnachtskarpfen im Idealfall etwas größer und landet – im Gegensatz zu den damaligen Modderkarpfen aus dem Zuchtteich – nicht blau gekocht auf dem Festtagstisch.

Wenn ich denn einen Weihnachtskarpfen fange.

In den letzten Jahren scheiterte diese Mission schlicht an fehlender Gelegenheit. Über die Feiertage angeln? Zuhause wohl nicht nur bei mir ein absolutes Nogo. Zudem will das bevorstehende Januar-Heft abgeschlossen werden, damit es termingerecht druckfertig ist.

Das ist in diesem Jahr nicht anders. Trotzdem nehme ich mir dieses Mal die Zeit für eine kurze Auszeit. Meinen Futterplatz habe ich gut vorbereitet, da dürfte doch wohl nichts anbrennen?

Für die Feiertage ist Schmuddelwetter vom Allerfeinsten vorhergesagt: Regen, Wind, wolkenverhangener Himmel – ganz und gar nicht weihnachtlich, dafür typisch Niederrhein. Das bin ich also gewohnt und die damit verbundenen Plusgrade sind nicht die allerschlechtesten Bedingungen für das Gelingen meiner Mission.

Am 23. Dezember bin ich am Start. Zum Glück kann ich wenigstens im Trockenen aufbauen. Allerdings bin ich spät dran und schaffe es nicht mehr, meine Montagen vor dem Dunkelwerden in Position zu bringen. Kein Problem, ich weiß ja, wo sie hin müssen. Dazu ein paar lose Brocken verteilt – jetzt muss nur noch eine Rute abrennen.

Mein eigentlich geplanter „Futterbiss“ bleibt allerdings aus. Mir kommen erste Zweifel. Habe ich vielleicht zu viel gefüttert?

Gegen Mitternacht dann endlich das erlösende Piepsen meines Bissanzeigers. Ich schrecke hoch und warte auf den sich normalerweise anschließenden Dauerton. Leider vergeblich. Mein rechter Bobbin klebt zwar unterm Rutenblank, aber das war´s dann auch. Der Fisch hat zwar offensichtlich das Bleib bewegt, aber sich nicht gehakt.

Rausdrehen und neu legen, oder liegenlassen? Ich entscheide mich fürs Abwarten und hoffe, dass der Fisch es noch einmal probiert. Ich gebe lediglich etwas Schnur nach, damit der Bobbin wieder etwas Spielraum hat. Wäre nicht das erste Mal, dass die Neugier siegt und der Fisch im zweiten Anlauf doch noch hängt.

Aber nicht dieses Mal. Schlimmer noch: Etwa zwei Stunden später passiert auf der linken Rute genau das Gleiche. Wieder ein paar hektische Piepser, bevor der Bobbin unterm Blank regelrecht festfriert. Wieder kein Run, wieder kein Fisch, wieder kein Weihnachtskarpfen.

F U C K !

Was ist da unter Wasser los? Nachdem während der nächsten halben Stunde nichts weiter passiert ist, kontrolliere ich beide Ruten und werfe die Montagen neu.

Ein Fehler? Vielleicht. Denn das nächste Mal werde ich erst mit einsetzender Morgendämmerung wach.

Es fängt wieder an zu regnen und soll laut Wetter-App auch so schnell nicht mehr aufhören. Das bedeutet die Höchststrafe: nichts gefangen und im strömenden Regen einpacken. Läuft bei mir!

Aber so schnell gebe ich nicht auf. Jetzt erst recht! Schließlich bin ich als Karpfenangler doch masochistisch veranlagt. Andernfalls hätte ich mir ganz bestimmt ein anderes Hobby gesucht.

Nach den Weihnachtstagen wage ich einen zweiten Anlauf. Vor dem Jahreswechsel wäre es doch auch noch irgendwie ein Weihnachtskarpfen, oder etwa nicht?
Allerdings dann unter geänderten Wetterbedingungen gefangen. Statt tiefem Luftdruck mit Regen und Sturm nun ruhiges Hochdruckwetter, dafür mit Nachtfrost.

Ich bin gespannt, ob das einen Unterschied macht. Wenngleich die Bedingungen laut Lehrbuch nun eher schlechter sind. Zumindest werde ich im Trockenen auf- und abbauen können. Ein Luxus, den ich gefühlt zum letzten Mal im August genießen durfte.

Ich mache es kurz: Auch mein zweiter Versuch endet in einer Nullnummer.

Mission Weihnachtskarpfen? Die ist zumindest bei mir gescheitert.

Aber das Angeln ist eben kein Wunschkonzert. Nicht einmal zu Weihnachten.

 

Kay Synwoldt

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