LAICHZEIT

Die Karpfen laichen! Das habe ich zumindest Anfang letzter Woche noch geglaubt, als ich an einem unserer lokalen Vereinsgewässer das flache Uferwasser Wasser spritzen sah. „Laichende Karpfen? Kann doch nicht sein, nicht so früh im Jahr, nicht in einem tiefen Baggersee.“
Brassen ja, aber Karpfen?

Ich blieb skeptisch, wollte es genauer wissen. Da ich bei dieser Gelegenheit keine Watstiefel dabei hatte, kam ich nicht nah genug an die laichenden Fische heran. Zudem unterbrachen sie ihr wildes Treiben, als ich näher kam. Im seichten Uferwasser konnte ich dennoch fünf oder sechs kleinere Schuppis ausmachen, die hektisch am Ufer auf und ab schwammen.

Sollte es tatsächlich wahr sein?

Trotz der zurückliegenden, warmen Tage mit Temperaturen an die 30 Grad hatte ich einen Tag zuvor an der Oberfläche knappe 15 Grad Wassertemperatur gemessen. In zwei Metern Tiefe waren es hingegen kaum zehn Grad. Viel zu kalt für laichende Karpfen.

Brassen – ja, das passt. Ein paar Tage zuvor hatte ich statt Karpfen einen Gierschlund mit deutlichem Laichausschlag gefangen. Typisch für diese Jahreszeit und typisch, dass die Schleimer jetzt besonders scharf auf alles Fressbare sind. Aber Karpfen in Laichstimmung? Ende April? Nicht in unseren tiefen Baggerlöchern.

Die Frage ließ mir keine Ruhe. Ich kehrte am nächsten Tag zurück – dieses Mal mit Watstiefeln im Gepäck.

Schon von Weitem sah ich wieder das Platschen. Es war nicht zu übersehen, die vermeintlichen Karpfen waren trotz der deutlichen Abkühlung offenbar immer noch mit ihrer Fortpflanzung beschäftigt.
Zehn Minuten später stand ich kaum einen Meter vom Geschehen entfernt. Die kleinen Schuppis waren immer noch da. Tatsächlich laichen taten allerdings die Brassen. Überall hatten sie ihre kleinen Eier im verzweigten Wurzelwerk der Ufervegetation abgelegt.

Jetzt war auch klar, was die Karpfen dort wollten. Sie laichen nicht selbst, aber sie lieben Brassenlaich, haben ihn gewissermaßen zum Fressen gern. Denn die Brassen-Eier sind eine willkommene Proteinspritze, die den Karpfen zudem hilft, eigenen Laich aufzubauen.
Bis es dann mit dem Laichen soweit ist, wird es also noch etwas dauern.

Alles wie immer also. Allerdings sind meine Beobachtungen auch ein Indiz für schwierige Zeiten für den Karpfenfang. Aber ist das Frühjahr mit seinem dauernden Auf und Ab beim Wetter nicht immer problematisch?
Meine Erfahrung ist: Während die Brassen laichen, ist es besonders schwierig, einen Karpfen ans Band zu bekommen. Die sind nämlich viel zu sehr auf den leckeren Brassenlaich fixiert.

Kleine, auffällige Poppis sind jetzt eine Option. Dennoch glaube ich, dass die Karpfen einen solchen Reizköder im Moment nur eher zufällig einsaugen.
Trotzdem: Einen Versuch ist es immer wert. Zumal jetzt mit dem Maifeiertag für die meisten von uns wohl ein langes Wochenende angebrochen ist.

Kay Synwoldt

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