Gute Vorsätze

Zu jedem Jahreswechsel diese Leier mit den guten Vorsätzen. Mit dem Rauchen aufhören, weniger Fettiges essen, weniger Alkohol trinken, mehr Sport treiben. Und: weniger stressen.

Doch anstatt sich weniger zu stressen setzen sich Karpfenangler mit ihren Vorsätzen erst recht unter Druck. Die Klassiker lauten: häufiger Angeln (die 53 Nächte aus dem Vorjahr sollen getoppt werden), endlich den Zielfisch (einen 25-Kilo-Schuppi) aus dem Hausgewässer fangen, danach ein neues Gewässer erkunden (80 Kilometer Fahrtweg? Egal, geht schon).

Okay, gute Vorsätze haben durchaus etwas Gutes. Sie vermitteln Hoffnung, sie versetzen uns in eine längst verloren geglaubte Euphorie. Eine Euphorie, die uns am Anfang eines neuen Jahres gut tut. Ganz bestimmt vor dem Hintergrund der zurückliegenden Saison, die – wieder einmal – hinter unseren Erwartungen zurück blieb.

Womit wir bei der Kehrseite der Medaille wären. Denn gute Vorsätze bergen auch eine Gefahr: die maßlose Enttäuschung, sollten wir an unseren Vorgaben scheitern.

Mal ehrlich: Wie viele unserer Vorsätze haben wir in den vergangenen Jahren umgesetzt? Wenige, stimmt´s? Deshalb rede ich im Zusammenhang mit den guten Karpfenangel-Vorsätzen gerne von „Klassikern“. Weil sie sich wiederholen.

Sind diese Vorsätze vielleicht einfach zu ambitioniert? Die 53 Nächte pro Jahr toppen? Da ist das Scheitern vorprogrammiert. Zumindest als Familienvater mit Fulltime-Job.

Und der Fang des dicken Schuppis im Hausgewässer: Wie wollen wir das beeinflussen? Haben wir das nicht schon die drei Jahre zuvor vergeblich versucht? Ist es nicht reine Glücksache, wenn genau dieser eine Fisch unseren Hakenköder einsaugt? Okay, es ist vielleicht nicht nur Glück. Manchmal wird der Tüchtige belohnt. Aber so ein Fang bleibt ein Bonus – ein Bonus, den wir nicht fest einkalkulieren können.

Sind also die ganzen guten Vorsätze am Ende wertlos?

Nein, das glaube ich nicht. Denn ein guter Vorsatz kann ein Ansporn sein, er kann die Triebfeder sein, die uns unserem Ziel tatsächlich näher bringt.

Aber wir sollten bei der Wahl unserer Vorsätze realistisch bleiben, wir sollten keine Luftschlösser bauen, wir sollten uns von unserer Euphorie nicht zu weit tragen lassen.

Was mich persönlich betrifft: Ich habe für das gerade begonnene Jahr 2019 keine Vorsätze formuliert. Ich weiß noch nicht, welche Gewässer ich befischen und welche Fische ich fangen werde.

Ich lasse das Angeljahr jetzt, Anfang Januar, auf mich zu kommen. Ich werde mich treiben lassen und mich dann spontan entscheiden, frei aus dem Bauch heraus, je nach Lust und Laune.

Womit ich, streng genommen, doch einen Vorsatz habe: mich weniger zu stressen!

Kay Synwoldt

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