GÖTTERDÄMMERUNG

Facebook, Instagram, WhatsApp – alles down! Und ich habe nichts davon mitbekommen. Es muss wohl in der letzten Woche gewesen sein, da ging für Stunden nichts mehr. Oder wie lange war das genau? Quasi die eine Hälfte unserer tragbaren Gehirnprothese komplett lahmgelegt.
Halt stopp! Telefonieren funktionierte störungsfrei. Vielleicht habe ich deshalb den restlichen Systemausfall gar nicht bemerkt?

Ein Loser wie ich stellt sich gerade vor, welche Dramen sich da abgespielt haben müssen. Welch ein Aufschrei, welche Empörung, welche Verzweiflung, wenn den Online-Zombies plötzlich ihre Existenzberechtigung fehlt. Gehört habe ich von diesem Aufschrei nichts. Wie auch? Aber wie soll die Außenwelt von aktuellen Fängen oder sonstigen Belanglosigkeiten des Lebens erfahren, wenn die Potenzschleuder aller Angelhipster und sonstiger Taugenichtse offline ist?
So muss es sich wohl anfühlen, kurz vor dem Weltuntergang.
Wie Götterdämmerung.

Die Ursache – ein Cyberangriff?
Facebook-Boss Zuckerberg dementiert.
Darin hat er Übung.
Die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren.
Aber wer will die überhaupt wissen?
Was macht es am Ende für einen Unterschied, wer mit unseren Daten dealt?

Da war letztens schon einmal so eine Ungereimtheit. Vor ein paar Wochen bei Instagram, auf unserer Carp-in-Focus-Seite. Von einer Sekunde auf die andere – einige Hundert Follower weg. Einfach so.
Nicht dass mich das in Depressionen gestürzt hätte. Ich habe es lediglich interessiert zur Kenntnis genommen. Am Ende allerdings durch Zufall. Weil ich gerade im Rahmen meiner täglichen Pflichterfüllung online war und es mir deshalb aufgefallen ist.
Da soll wohl im Hintergrund beim Nachschärfen irgendwelcher Algorithmen etwas schiefgelaufen sein...

Für mich kein Drama. Ich fand es auf seine Weise erheiternd und habe mich sogar schmunzelnd im Schreibtischstuhl zurückgelehnt. Wieder einmal eine Bestätigung für meine Überzeugung, wer in Wahrheit für den Erfolg oder Misserfolg sämtlicher Accounts verantwortlich ist.
Umso verwunderter rieb ich mir die Augen, als am nächsten Tag alles wieder beim Alten war.
Alle Follower wieder da, als wäre nichts gewesen.
Wohl doch nur eine Wahrnehmungsstörung. Durchaus möglich. Wer sich ständig mit dem Irrsinn beschäftigt, leidet früher oder später fast zwangsläufig an Realitätsverlust. Davon bin womöglich nicht einmal ich gefeit.

Jetzt scheint alles wieder in bester Ordnung. Gott sei Dank, die (a)sozialen Sprachrohre sind wieder frei.
Kein Grund mehr, sich aus dem Fenster zu stürzen, die Angelhipster können ihre Antidepressiva wieder absetzen, das Leben als Selbstdarsteller hat wieder einen Sinn.
Weiter geht’s.
Mit Facebook, mit Insta und mit WhatsApp.
Und mit Carp in Focus.

Kay Synwoldt

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