Frühling?

Wo bleibt der Frühling? Die Frage darf derzeit erlaubt sein. Auf der einen Seite zwitschern die Vögel Frühlingslieder und die ersten Knospen treiben aus. Andererseits gehören Frostnächte und Schneefall bis ins Tiefland derzeit zum Alltag. Anfang Februar machten mir hier in der Region Potsdam zweistellige Temperaturen und reichlich Sonne noch Hoffnung auf einen warmen Frühstart. Jetzt sorgt das Tief ALOISIA für trübe Stimmung und (mentale) Minusgrade. Meine Hoffnung auf steigende Luft- und Wassertemperaturen ist erst einmal passé. Der Wetterfrosch soll laut der Meteorologen bis Mitte des Monats im Keller sitzen bleiben.

Der Rückschlag schlägt sich auch in der Angelei nieder. Seit gut zwei Wochen lässt sich nicht eine Flosse auf meinem Futterplatz blicken. Mein letzter Kanal-Karpfen Mitte Februar spornte mich trotzdem an, weiter zu machen – egal was komme. Mittlerweile gerate ich ins Zweifeln, ob der Frühling überhaupt noch kommt.

Und beim Angeln klebte mir bei meiner letzten Session das Pech auch wieder an den Hacken. Beim Ablegen einer Rute mit dem Boot hatte ich mein Absenkblei im Bus liegen lassen. Zurück rudern, das zusätzlich Gewicht holen und die Montage neu legen wollte ich nicht. Das hätte zu viel Unruhe in der Bucht bedeutet.

Auch die Kälte machte mir im Freien zu schaffen, da ich meine wärmende Fleecejacke zu Hause vergessen hatte. Ich wollte einfach schnell zurück in meinen Bus, in dem die Heizung auf Anschlag lief. Deswegen senkte ich die Schnur vom Ufer aus ab, anstatt mitten in der Fahrrinne. Sie wissen sicher schon, wie die Geschichte weiter gehen wird. Der 20-Uhr-Dampfer landete einen Volltreffer.

Montage samt Schlagschnur wurden von der Schraube einkassiert. Durchgefroren und frustriert wickelte ich eine neue Schlagschnur auf und erneuerte die Montage. Ein Happy-End gab‘s trotzdem nicht. Die Nacht blieb ruhig und arschkalt. Erst mit dem ersten Tageslicht erwachte meine Soundbox zum Leben: Eine Schar Blässhühner machte sich über meinen mühevoll aufgebauten Futterplatz her. Ein Indiz dafür, dass kein Flossenträger am Platz war. Nachdem das Federvieh alle Kugeln gefunden und meine Hakenköder auf Erbsengröße dezimiert hatte, kehrte Ruhe ein.

Zeit für einen kräftigen Espresso.

Der brachte Lebensgeist in meinen erschöpften Körper zurück. Die Montagen kurbelte ich vorzeitig ein. Zu groß die Gefahr, noch einmal von den gefräßigen Hühnern heimgesucht zu werden. Meine Hoffnung auf einen Rüssler war längst verflogen. Ich wollte einfach die letzten Momente am Wasser in Ruhe genießen. Für einen kurzen Moment riss die dichte Wolkendecke auf und die Sonne kitzelte meine müden Augen. Eine Kohlmeise setzte sich auf einen Ast, aus dem junge Triebe sprießten und trällerte ein heiteres Frühlingslied. Kurz keimte in mir wieder die Hoffnung auf den langersehnten Frühling auf. Aber um angesichts der aktuellen Wetterlage wirklich daran zu glauben, muss man schon eine ultra rosa rote Brille tragen.

Ich gönne mir vorerst eine kleine Auszeit. Zu sehr haben die letzten Wochen an mir gezehrt. Alle zwei Tage zum Vorfüttern mehre Kilometer fahren, um nach sechs Wochen zwei Schuppenträger auf der Haben-Seite verbuchen zu können ist kräfteraubend. Ein Einsatz, bei dem jeder Außenstehende die Hände über den Kopf zusammen schlagen würde. Subjektiv betrachtet ist meine Angelei eine Alltagsflucht, die mir Kraft gibt, um täglich in dem sich immer schneller drehenden Hamsterrad weiter zu strampeln und zu ackern. Selbst wenn das Pech scheinbar zu meinem zweiten Schatten geworden ist, merke ich nach jeder Session, wie essentiell das Angeln für mein Leben bleibt.

Dabei bleibt fraglich, ob das Angeln auch denselben Stellenwert besitzen würde, wenn das Leben einzig daraus bestünde. Familie und Freunde sind für mich ebenfalls sehr wichtig. Und ich bin überzeugt: Ohne (Zwangs-)Auszeiten würde die Einzigartigkeit und Exklusivität der Angelei irgendwann entzaubert werden. Eine kleine Verschnaufpause mit sozialen Kontakten kann also nicht schaden. Nächste oder übernächste Woche geht es dann weiter – mit neuer Motivation und hoffentlich besserem Wetter.

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