Forgotten chapters: Braceshots

Zeitzeugnisse aus mehr als 35 Jahren Karpfenangeln!

TEIL 1

Die Gewässer sind mit Eis bedeckt, wir können nicht angeln. Auch für unseren Chefredakteur die Gelegenheit, alte (Bild-)Archive zu sichten und zurückzublicken. Zum Auftakt unserer kleinen Serie hat Kay Synwoldt zurück geblickt und ein altes Foto gefunden. Ein sehr altes!

Kay Synwoldt: „Aus welchem Jahr genau die Aufnahme stammt, kann ich heute nicht mehr sagen. Es ist wohl ein Bild aus den frühen Achtzigern. Der gezeigte Fang liegt also gute 35 Jahre zurück und stammt sogar noch aus meiner pre-Dia-Zeit. Die Vorlage: Ein einzelner Papier-Abzug von einem Film-Negativ, was längst verschollen ist. Ein echtes Zeitzeugnis also und vermutlich eines der ersten Fangbilder, das ich mit einer „richtigen“ Kamera (nicht mit einer Pocket-Kamera) gemacht habe.

Es zeigt einen zur damaligen Zeit populären „Braceshot“ mit zwei halbstarken Schuppis von jeweils 7 oder 8 Pfund (geschätzt). Aus heutiger Sicht unglaublich aber wahr: Damals waren das Fische, die schon deutlich über dem Durchschnitt der sonst üblichen K2-Pfannen-Karpfen lagen, die normalerweise in den von mir befischten Vereinstümpeln an den Haken gingen. Dennoch: Für mich waren das derzeit auch nur „halbstarke“ Fische. Als "zählbares" Gewicht galten damals Fische über 10 Pfund, oder "Doubles" (englisch für zweistellig). Damals hatten alle brauchbaren Fischwaagen eine englische lbs-Einteilung. Deshalb wurde das Gewicht üblicherweise auch noch in lbs (englischen Pfund) angegeben. Ein englisches Pfund sind nur etwa 453 Gramm. Als Double gilt ein Fisch also ab einem Gewicht von 4,53 Kilo.

Köder? Kann ich nur vermuten. Zu der Zeit habe ich viele Karpfen mit selbstgemachtem Teig aus Forelli gefangen.

Der Angler ohne Gesicht? Reine Vorsichtsmaßnahme. Ich wusste schon damals, dass die automatische Gesichtserkennung für totale Überwachung sorgen wird.

Zudem lag diese Art von Bildern damals im Trend. Denn Ein Blick in die Kamera hätte den (Bild-)Betrachter nur vom Wesentlichen abgelenkt – dem Fang. So zumindest die verbreitete Denke.
Ich sah es mehr pragmatisch. Denn ein übertriebenes Grinsen fand ich auf Fangbildern schon immer unpassend. Ein schiefer Blick oder geschlossene Augen hätten das Bild sogar ruiniert. Solche Ausfälle wollte ich nicht riskieren. Denn von jedem Fang wurden nur ein paar wenige Bilder gemacht. Die Fische sollten möglichst schnell wieder schwimmen. Und Negativ-Filme für die analoge Fotografie waren vergeleichsweise teuer und hatten nur Platz für 36 Aufnahmen. Anders als bei der heutigen digitalen Fotografie, wo zu wenig Speicherplatz selten ein Problem ist, war damals haushalten angesagt. Jedes Bild musste sitzen - zumal man das Ergebnis nicht sofort auf dem Display, sondern erst Tage später (nach der Filmentwicklung und Abzugerstellung) betrachten konnte. Dann war der Drops gegessen.

Und na klar, es ist auch mir nicht entgangen: Das Bild stammt nicht nur aus pre-Dia-Zeiten, sondern auch aus den pre-Abhakmatten-Zeiten! Gepolsterte Unterlagen waren erst etwas später verbreitet. Meine Fische liegen hier tatsächlich nur auf dem feuchten Sack im weichen Gras. Asche auf mein Haupt.

Aus heutiger Sicht sicherlich ein No-Go und aus gutem Grund noch mehr verpönt wie das Fotografieren von zwei Fischen auf einmal. Aber die Zeiten ändern sich, man lernt dazu. Und allen Moralaposteln sei gesagt: Selten wird etwas so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“

 

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.