Einfach machen!

Mittlerweile ist es Juni, mein Fangbuch bisher nur geziert von wenigen Einträgen. Mein neues Gewässer macht es mir nicht leicht. Dazu die Arbeit, ein Umzug und die ganze Corona-Geschichte. Das alles hatte mich und meine Familie in der jüngsten Vergangenheit fest im Griff.
Wir mussten raus und entschieden uns spontan dazu, einige Tage Urlaub einzuschieben. Kein Urlaub in dem es um die Angelei gehen sollte, vielmehr wollten wir eine Auszeit vom ganzen Trubel. Aber vor der Abfahrt wollte ich noch eine schnelle Nacht am Wasser einschieben.
Meine Frau könnte sich in der Zeit um Sack und Pack kümmern. Allerdings war ich nicht wirklich vorbereitet. Welches Gewässer sollte es sein? Partikel? Keine vorbereitet. Die Mono auf einer Rolle wurde beim letzten Ansitz arg in Mitleidenschaft gezogen, die müsste ich erst neu bespulen.
Meine Idee von der schnellen Nacht hatte ich nach 10-minütigem Gedankenkarussell eigentlich wieder verworfen. Aber ich war angefixt von der Nachricht in den Urlaub fahren zu können und wollte vorher unbedingt noch einmal ans Wasser.
Während ich meiner besseren Hälfte von meiner Idee mit dem Angeln berichte, kommen neue Zweifel. Überhastet einen Blank einfahren? Nachts soll es regnen. Dann müsste ich meine nassen Sachen vorher sortieren, bevor wir endlich in den Urlaub fahren können. All die Strapazen aufnehmen für die paar Stunden am Wasser ganz ohne Vorbereitung?
Gar nicht mein Ding.
Nach ein paar Minuten hin und her mit mir selbst ertönt aus dem Hintergrund ein leicht genervtes: “Einfach machen!“

Wurfrohr vergessen
Gegen 18.00 Uhr habe meinen Koffer für den Urlaub gepackt. Wenn ich jetzt schnell das Auto packe und zum neuen Gewässer fahre, sollte ich es schaffen im letzten Tageslicht meine Ruten zu legen.
Die nötigsten Sachen fliegen in den Kofferraum und ab geht die Post. Nach ein paar Minuten Autofahrt fallen mir schon die ersten Dinge ein, die ich in der Eile vergessen habe: Unter anderem die neue Mono und mein Wurfrohr.

Flexibel sein
Für die eine Rute mit der beschädigten Mono gab es jetzt nur eine Chance: Das wird die „Uferrute“. Angesichts des vergessenen Wurfrohrs und der damit vergeigten Möglichkeit in weiter Entfernung Futter zu streuen entscheide ich mich bei der anderen Rute fürs Anwerfen gesichteter Fische.
Am Gewässer angekommen geht alles schnell. Das Rig, ein Run-Rig, vom letzten Ansitz passt zu meinem Vorhaben. Nur noch kurz den Haken nachschleifen. Meine beschädigte Mono lasse ich kurzerhand von der Spulenkante gleiten und montiere eine neue Schlagschnur. Per Pendelwurf findet die Montage ihren Spot. Bei der zweiten Montage lasse ich mir Zeit, bis in die späten Abendstunden. Ich beobachte das Gewässer eine ganze Weile und kann tatsächlich aufsteigende Blasen sichten. Im letzten Tageslicht fliegt auch die zweite Montage an den Spot – ganz ohne Beifutter. Man muss nur flexibel sein.

Schlusspfiff
Kurz bevor mein Wecker gegen 04:00 Uhr klingelt, dämmert es: Wieder ein Blank am neuen See. Aber was habe ich mir auch erhofft? Ohne großen Plan ankommen und abstauben… Ich Vollidiot. Noch nicht zu Ende gedacht, meldet sich die Funkbox. Tatsächlich läuft die Uferrute ab. Ein einzelner, unauffälliger Smart Hooker von Cockbaits bringt mir den größeren der zwei markantesten Schuppis aus dem See. Objektiv betrachtet kein Riese, aber für mich bisher ,einer der wichtigsten Fische. Und den habe ich nicht zuletzt meiner Frau zu verdanken.

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