Die schnelle Nummer

Aufgrund von Umbaumaßnahmen im Haus und meinen anderen familiären Verpflichtungen ist meine Angelzeit zurzeit knapp bemessen. Deshalb fische ich nur kurze Sessions – von abends acht bis morgens acht. Mehr sitzt momentan nicht drin. Das Gewässer meiner Wahl: Ein kleiner, alter See. Flach, mit relativ überschaubarem Karpfenbestand und extrem viel natürlicher Nahrung. Dafür liegt es nicht weit von meinem Wohnort entfernt und ich brauche auch sonst für mein Angeln keinen großen Aufwand betreiben, mit einem Boot zum Beispiel.

Mit wenig Ausrüstung marschiere ich den weiten Weg runter ans Wasser. Dazu habe ich mein altes Bedchair mit Rädern ausgestattet. Diese kleine Modifikation habe ich schon viele Jahre im Einsatz. Sehr praktisch, wenn es schnell gehen muss. Mein Bedchair fungiert so als Bett und Transportmittel zugleich. Den Schlafsack bereits aufgespannt, dann nur noch den Schirm, zwei Ruten und minimales Material drauflegen, festbinden – los geht´s. Zum Vorfüttern hatte ich mal wieder keine Zeit. So komme ich am Freitag Abend kurz nach 20 Uhr am Wasser an. Ich habe nur wenig Futter dabei. Zwei Kilo müssen reichen. Dafür sind die Boilies für die Karpfen sehr attraktiv. Die finale Version der Kugeln befindet sich gerade noch in der Testphase. Als überzeugter Boilie-Selbstroller bin ich neuen Boilies gegenüber immer sehr skeptisch.

Als ich jedoch die erste Pacific-Tuna-Tüte öffnete, fühlte ich mich gleich um viele Jahre zurückversetzt. Eine Zeit, Ende der 80 er Jahre, in der wir auch schon unsere Boilies selber rollten. Das kräftige Aroma der Boilies zieht tief in die Nase, der fischig, salzige Geschmack bleibt lange auf der Zunge hängen. Geruch und Geschmack erinnern mich sofort an das gute alte Shellfish Sense Appeal von Catchum, das wir damals verarbeitet haben. Einer meiner absoluten Favoriten zu jener Zeit. Leider war dieser Zusatz später kaum noch zu bekommen. Erst Jahre danach wurde es von Rod Hutchinson wieder neu aufgelegt.

Gerade an Gewässern mit sehr hohem Aufkommen an natürlicher Nahrung, dazu mit wenig Zeit zur Verfügung, wie ich diese zurzeit habe, sollte dieses Futter schnell wirken und sehr anziehend sein. Ich will die Fische locken, nicht satt füttern. Meine Ruten werfe ich mit einem Unterhandwurf gestaffelt auf zwei Entfernungen von etwa zehn und 15 Meter vom Ufer aus. Hier sind die Zugrouten der Fische. Montiert wird jeweils nur ein einzelner Hakenköder zusammen mit einem PVA-Stringer bestehend aus drei Boilies. Ich genieße den Abend und verkrieche mich gegen 23:30 Uhr in den Schlafsack.

Aber die Mücken lassen mich nicht in Ruhe, ein Froschkonzert tönt direkt vor meinen Füssen. An Schlaf ist kaum zu denken. Ich drehe ich mich hin und her. Irgendwann gewinnt dann doch die Müdigkeit nach einem anstrengenden Arbeitstag überhand. Der erste Biss erfolgt ohne Vorankündigung am frühen Morgen gegen 4:30 Uhr. Ein kampfstarker Schuppi von 24 Pfund landet im Netz. Kurze Zeit später landet noch eine weiterer Spiegler auf meiner Matte. Beides keine Riesen, aber ich packe trotzdem hochzufrieden ein.

Ob ich wieder komme? Ganz bestimmt. Aber auch dann wieder nur für eine kurze Nacht.

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