Die Party ist vorbei

Das Leben ist ein Party. Diesen Eindruck konnte man zumindest gewinnen, wenn man während der letzten Wochen ein ruhiges Plätzchen am Wasser gesucht hat. Überall brennende Grills und Badeverrückte. Kein Wunder. Denn angesichts andauernder „Affen-Hitze“ tut eine Abkühlung im Baggersee mit anschließender Vergrillung gut. Reichlich Flüssignahrung aus der Kühlbox nicht zu vergessen. Dazu noch Schulferien. Keine Überraschung, wenn man am Wasser nicht alleine ist. Und auch viele Angler wollten die letzten freien Tage und das schöne Wetter für eine entspannte Session nutzen.

Nichts für mich. Denn das hat für mich wenig mit Entspannung zu tun, wenn ich mich irgendwo in die Reihe setzen muss.
Außerdem: Tagestemperaturen von über 30 Grad und Windstille sind ohnehin keine idealen Bedingungen für erfolgreiches Angeln. Nicht einmal an der Oberfläche sind die Karpfen auf einen Snack aus. Auch sie faulenzen lieber.

Solche Tage kann ich besser nutzen. Denn das heiße Wetter bietet eine gute Gelegenheit, um neue Gewässer auszuspionieren. Denn nicht selten versammelt sich jetzt der gesamte Karpfenbestand zum Sonnenbaden unter der Oberfläche. Wenn man jetzt genau hinschaut weiß man vorher, ob sich der Kauf einer neuen Angelkarte fürs nächste Jahr lohnt.

Auf meinem Besichtigungsplan stand ein alter Baggersee, in dem ich bei meinen bisherigen Besuchen im Frühjahr nur ein paar kleinere Karpfen beobachten konnte. Aber das gut 20 Jahre alte, mit Schilf umsäumte und an einer Uferseite mit Seerosen zugewucherte Idyll hat das Potential für größere Fische, davon bin ich überzeugt.

Ich musste bei meinem Rundgang nicht lange suchen, dann hatte ich die Karpfen gefunden. Wie erwartet standen sie in einer kleinen Bucht zwischen den Seerosen in der Sonne. Etwa ein gutes Dutzend konnte ich ausmachen. Leider wieder das gleiche Bild wie im Frühjahr: Überwiegend kleinere Fische der 10-Kilo-Klasse. Die Seerosenblätter versperrten mir jedoch einen genaueren Einblick.

Plötzlich tauchte vor den Seerosen ein neuer Rücken auf. Und der war fast doppelt so breit wie die anderen Fische! Hoch gebaut, seine kompletten Umrisse konnte ich nur ahnen. Kurz darauf war der Schatten wieder verschwunden, als wäre es eine Fata Morgana.

Ich hatte genug gesehen. Vielleicht wird dieser Fisch meine Herausforderung für die nächste Saison.

Leider fand ich auch einen toten Karpfen. Sein Gestank zeigt mir den Weg ins Schilf. Der Spiegler war sicher schon mehrere Tage tot und bereits ziemlich aufgedunsen. Auch das war (leider) keine Überraschung. Denn bei warmen Wassertemperaturen nimmt der Sauerstoffgehalt im Wasser ab. Für geschwächte, alte oder kranke Fische kann es dann eng werden. Natürliche Auslese nennt man das wohl.
Flache und verschlammte Seen können sogar komplett umkippen, wenn eine Hitzewelle länger anhält.

Zum Glück scheint die Hitze nun vom Tisch. Auch die Schule hat wieder angefangen, viele Leute müssen wieder arbeiten. Die Party ist vorbei. Jetzt ist ein Hauch von Herbst mit Regen und mehr Wind vorher gesagt.
Gut so. Denn dann wird’s endlich wieder ruhiger an unseren Seen.

Jetzt müssen die Fische nur noch fressen.

Kay Synwoldt

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