Die Motivationsspritze

Nur einen Tag nach der misslungenen Sitzung am heiligen Abend bin ich zurück am heimischen Schreibtisch um Vorfächer für die nächste Sitzung zu binden. Ich habe mich von den letzten Geschehnissen ein wenig erholt. Nun ist es an der Zeit, die nächsten Vorbereitungen zu treffen. Dazu gehört neben dem Binden neuer Vorfächer auch der Austausch meiner angeschlagenen Hauptschnur.

Trotz des Rückschlages will ich weiter machen – Aufgeben kommt nicht in Frage! Ich will weitere Winterkarpfen fangen. Und wenn das nicht freiwillig klappt, werde ich mein Glück eben erzwingen.

Nach einem Telefonat mit meinem besten Freund Uwe, um diesen um Rat zu fragen, habe ich mir seinen Spruch gemerkt: „Geh fischen wenn Du Zeit hast“!

Im Morgengrauen mache ich mich wieder auf den weiten Fußmarsch zum Angelplatz. Es herrscht himmlische Ruhe, die Luft ist sehr angenehm. Der leichte Wind kommt nach wie vor aus südwestlicher Richtung, mit 8°C ist es weiterhin recht mild.

Das Wasser kräuselt sich und es riecht nach Karpfen. Wieder einmal. Routiniert ist in kürzester Zeit alles am Platz. Selbst die Montagen bekomme ich dieses Mal ohne einen einzigen Fehlwurf an die Stelle in Nähe des Totholzes. Heute scheint alles besser zu laufen. Ich bin gespannt. Ich laufe am Ufer entlang und werfe dieses mal nur fünf abgezählte Boilies pro Rute rein. Mehr gibt’s heute nicht. Ich entspanne im Stuhl, mein Blick schweift über den See.

Mittlerweile hat sich eine ganze Menge Federvieh versammelt: Mehrere hundert Graugänse, Blesshühner, Reiherenten, Haubentaucher, Stockenten die ganze Palette ist vertreten und das ist kaum zu überhören.

Meine Delkims hingegen schweigen. Zwischendurch kommt mein kleiner Kumpel – ein Rotkelchen Männchen zu Besuch. Er wird sicher denken, was macht der Typ eigentlich schon wieder hier?

Hat der denn kein Zuhause?

Ich nähere mich dem 10-Uhr-Zeitfenster. Das ist die heiße Zeit für einen Biss. Ich sitze schon in Position, nun mit hochgezogenen Watstiefeln. Nein das hat nichts mit Arroganz zu tun, ich habe lediglich Schiss, wieder zu scheitern wenn einer anbeißt. Dieses Mal will ich zu 100 Prozent vorbereitet sein. Denn alle Anbisse kamen zuletzt zwischen 10 und 11 Uhr. Ein kurzes Zeitfenster der Fischaktivität und sehr typisch für den Winter.

Tatsächlich schlägt kurze Zeit später mein rechter Delkim Alarm. Ich springe zur Rute, am anderen Ende setzt sich ein Winterkarpfen zur Wehr. Dieses mal muss es klappen.

Mein Gegenüber ist träge und fühlt sich nicht so schwer an wie der letzte. Ich will ihn trotzdem haben. Ich bin enorm gestresst und nervös, bekomme den Fisch aber relativ schnell ans Ufer.

Im klaren Wasser bekomme ich die goldene Schuppen-Schönheit kurz darauf zum ersten Mal zu Gesicht. Als sich dann endlich das Keschernetz um den langen Körper schließt, bin ich erleichtert. Endlich hat es wieder geklappt!

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