Die letzte Nacht im Schlamm

Die für mich schönste Jahreszeit, der Herbst, sollte in diesem Jahr zuhause auf der Baustelle stattfinden. Frauchen wollte unbedingt renovieren. Ich hingegen wollte lieber fischen gehen, die Renovierung musste noch warten. Zumindest kurz. Ich hatte zum Glück keinen echten Druck, weil ich auf eine gute Saison zurückblicken kann. Meine letzte Nacht für 2018 stand schließlich vor der Tür. Wie immer hatte ich dafür alles bis aufs letzte Detail vorbereitet. Mein Hausgewässer sollte das Ziel sein. Da kenne ich mich aus und ich wollte schließlich auch noch etwas fangen und meine Saison mit einem Erfolg abschließen. Deshalb wollte ich keine großen Risiken eingehen.

Meinen Chef hatte ich extra noch mit einem guten Frühstück bestochen, damit ich den Freitag frei machen konnte. Ich wollte möglichst früh am Wasser sein. Bis dahin lief alles perfekt.

Freitag Morgen stand ich mit dem Hellwerden am See, mit meinem Kaffee in der Hand. Meine bevorzugte Stelle schien frei. Auch damit hatte ich offenbar Glück. Vom Rest des Sees konnte ich aufgrund des dichten Nebels allerdings nichts sehen.

Die gut 400 Meter mit dem Trolley erwiesen sich bei durchweichtem Boden wie immer als Qual. Wer Fisch fangen will, muss leiden. Auch der Angelplatz selbst ist alles andere als bequem zu beangeln. Schlamm so weit das Auge reicht. Das ist genau meine Welt. Mein Freund Bimbi nennt mich deswegen auch gerne mal das Wildschwein. Tatsächlich würde sich kaum jemand anderes freiwillig mitten in den Matsch setzen.

Nicht ohne Grund. Denn schon nach dem Auslegen meiner beiden Ruten und dem Aufbau meines Schirms waren auch gefühlte 90 Prozent meiner Ausrüstung mit einer Millimeter dicken, braunen Schicht überzogen. Das lässt sich kaum verhindern.

Zu meinem Erstaunen meldete sich schon zur Mittagszeit mein Delkim das erste Mal. Nur ein kleines Tier aber egal, der Mensch freut sich. Bis zur einsetzenden Dunkelheit blieb es dann jedoch sehr ruhig in meinem Schlamm-Paradies.

Wie üblich meldet sich die nächste Rute, als ich gerade mein erstes Stück Fleisch in der Pfanne hatte. Nach einem Kräftezehrenden Hin und Her für beide Parteien und mehreren Metern durch Knie tiefen Morast in meinem Gummi-Strampler lag er endlich im Netz. Und was für eine Maschine! Der Fisch wiegt satte 21 Kilo.

Überglücklich widmete ich mich meinem Steak und einem Bierchen. Danach wurde noch schnell meine Wärmflasche geladen und dann hieß es: ab in die Federn.

Ich durfte ausschlafen. Für mich trotzdem ein gelungener Jahresabschluss. Pünktlich zum Fotografieren am Morgen kam noch ein wenig die Sonne raus. Was will man mehr?

Nachdem die Bilder im Kasten waren, gab´s noch ein Tässchen Kaffee und dann durfte ich mein Material wieder Richtung Auto transportieren. Mit einem dicken Fisch auf der Habenseite ging das leicht von der Hand.

Danach hieß es: Auto an, Mucke laut und ab in Richtung Heimat. Ich war zufrieden, mit meinem Angeljahr. Wir sehen uns wieder – das nächste Jahr im Schlamm.

Thomas Rechenbach

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