DER 600-KILOMETER-FISCH

Fast schon routiniert wird für mich das Ende der Angelsaison mit den ersten Herbst-Messen eingeläutet. Wie jedes Jahr trifft man dort die gleichen Leute. Und wie gehabt wird bei einem Kaffee oder einem schnellen Bierchen über die vergangene Saison philosophiert. Und bei fast jedem Gespräch unter guten Freunden kommt die immer gleiche Frage auf: "Schaffen wir es nächste Saison einmal, zusammen fischen zu fahren?"

Schon oft haben wir es versucht, aber leider hat es fast nie geklappt.

Für dieses Jahr habe ich wieder einmal eine entsprechende Memo in meinen Kalender eingetragen. Aber nach mehreren langen Telefonaten stand dieses Mal der Plan: ein gemeinsames Wochenende mit meinem Freund Patrick. Die Gemeinsamkeit und Gemütlichkeit sollten im Vordergrund stehen. Für mich zumindest.

Patrick hatte die Aufgabe der Gewässerwahl. Seine Wahl fiel auf einen Fluss in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Aus dem zumindest von meiner Seite aus angedachten, entspannten Wochenende wurde jedoch nichts. Am Fluss brauchte es eimerweise Futter, alle 45 Minuten hieß es: Ruten raus und neue auswerfen, da die vorbeifahrenden Schiffe andernfalls alles einkassieren würden. Hinzu kam im Stundentakt die Notwendigkeit, neue Rigs zu binden, weil die Haken dank der vielen Steine am Gewässerboden selbst ohne jeden Fischkontakt stumpf werden.

Dafür war ich nun einmal quer durch Deutschland gefahren?

Ob wir Fische fangen würden? Laut Patrick eher unklar.

Die erste Nacht verlief am Ende sogar noch "gemütlicher", als eigentlich von mir geplant: Keine Hupe! Zumindest nicht von einem Fisch.

Nach ausgiebigem Frühstück meldete sich mein Delkim dann aber doch. Und dieses Mal ohne ein Schiff in der Nähe.

Ein kurzer, harter Drill – dann lag er im Kescher: mein 600-Kilometer-Fisch. Beileibe kein Riese – aber das war mir in dem Moment völlig egal. Und es wurde sogar noch besser. Denn das gleiche Schauspiel wiederholte sich am darauffolgenden Morgen, nur im Doppelpack. Fast ein Doppelrun könnte man sagen. Da Patrick und ich am Flussufer gute 100 Meter auseinander saßen und wir uns auf halber Entfernung zum Frühstücken getroffen hatten, sind neben unseren Bissanzeigern auch wir gerannt.

Unterm Strich ein cooles Wochenende. Zwei Fische aus einem wildfremden Gewässer mit einem guten Freund zu teilen, hat mir mehr Spaß gemacht, als zehn Nächte an meinem Hausgewässer zu veröden. Das war selbst die lange Anfahrt wert.

In diesem Sinne: Arsch hoch von der Couch und ab ans Wasser!

Thomas Rechenbach

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