Das große Wiedersehen

von Philipp Jeitler

Ich befische seit Jahren eine alte Schottergrube in Österreich. Knapp zwei Jahre bin ich dort nun auch Inhaber einer Jahreskarte. Ein großer Vorteil der Schottergrube: Sie liegt auf meinem täglichen Weg zur Arbeit. Ich komme dort also auch unter der Woche täglich vorbei. Bei der Gelegenheit kann ich kurz anhalten, meine Spots füttern und das Fressverhalten der Fische genau beobachten. Da ich inzwischen gelernt habe, dass die Fische nicht immer im gleichen Teil des Sees fressen, halte ich mehrere Spots unter Futter. So bin ich für eine spontane Nacht vorbereitet und kann optimale Bedingungen für eine kurze Session nutzen.

Ich kann es noch immer nicht glauben, was mir jetzt bei einem meiner Kurzeinsätze an den Haken gegangen ist. Alles war zunächst wie immer. Ich warf meine beiden Montagen auf zwei meiner gefütterten Spots. Noch ein paar Pellets von Dream Baits dazu. Die verwende ich ausschließlich, denn von ihnen geht eine extreme Lockwirkung aus. Zudem sind sie an meinem Gewässer (noch) nicht so bekannt. Auch vorsichtige Karpfen werden so zum Fressen animiert.

Nach knapp einer halben Stunde hatte ich dann auch alles andere aufgebaut.

Aus dem Nichts heraus gab mein Bissanzeiger dann den magischen Dauerton von sich. Ich nahm die Rute auf und schon in dem Moment wusste ich, dass am anderen Ende der Leine etwas Großes hängen musste. Mit geballter Kraft riss mir der gehakte Fisch Meter für Meter Schnur von der Rolle, er war nicht zu halten. Nach einer gefühlten Ewigkeit passierte es: Er wechselte die Zugrichtung und suchte sein Heil in einer neuen Taktik. Auf der linken Seite meiner Angelstelle steht alles voller Totholz. Genau da wollte er rein.

Aber ich hatte Glück: In dem Moment, in dem ich schon ins Wasser steigen wollte, um ihn von den gefährlichen Hindernissen fernzuhalten, schwamm er ganz von alleine wieder Richtung Freiwasser.

Schweißgebadet und mit weichen Knien ging das Tauziehen noch ungefähr 15 Minuten weiter. Als er sich dann endlich an der Wasseroberfläche blicken ließ, konnte ich ihn gleich im ersten Anlauf sicher in den Kescher manövrieren. Es war ein altbekannter Schuppi, den ich vor ziemlich genau vier Jahren schon fangen durfte. Schon damals eine echte Bombe heute sogar noch eine größere. Es war unglaublich – nach so einer langen Zeit das große Wiedersehen mit über 28 Kilo.

Jedes Mal, wenn ich daran denke schießt mir das Adrenalin immer wieder aufs Neue in die Venen.

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.