Das Gewicht hat der Fisch nie!

Es ist immer das Gleiche: Wenn irgendwo ein dicker Fisch mit einer Gewichtsangabe auftaucht, lockt das die üblichen Zweifler aus ihren Löchern. So wie bei unserer Fangmeldung vom 31. August, wo wir auf unserer Facebookseite einen Spiegler von 28,1 kg präsentieren.

„Das Gewicht hat der Fisch nie!“
„Hat er doch.“
„Hat er nicht."
„Hat er doch...“

Und merke: je dicker der Fisch, desto mehr Zweifler gibt es. Auch ich bin beim Anblick mancher Fotos skeptisch. Als Chefredakteur eines Karpfenmagazins vielleicht eine Art Berufskrankheit. Zumal es kein Geheimnis ist, dass unter Anglern mit der Hoffnung auf ein wenig Anerkennung bei Gewichtsangaben nicht selten ein wenig geschummelt wird. Der Begriff Angler-Latein kommt schließlich nicht von ungefähr.

Und ich gebe es zu: Auch bei den Bildern von unserem Leser Danny Frank war ich skeptisch. Er uns Bilder von einem dicken Spiegler geschickt. Stolze 28,10 Kilo - so seine Gewichtsangabe. Trotz eventueller Skepsis – was bleibt mir anderes übrig, als die Gewichtsangabe zu glauben? Zwar habe ich Bilder von ähnlich großen Fischen gesehen, die auf den Fotos wesentlich größer aussehen. Aber ich habe mindestens genauso viele Bilder von großen Fischen gesehen, die darauf wesentlich kleiner aussehen, als man es angesichts ihres tatsächlichen Gewichtes erwarten würde. Abhängig von Perspektive und Einstellung der Kamera kann man selbst große Fische „kaputt“ fotografieren. Was die Bilder von unserem Leser Danny Frank angeht, sehe ich einen vermutlich alten Fisch mit riesigem Kopf und langem Körper, dessen Bauchhöhle nicht wie ein Ballon gefüllt ist. Der abgebildete Spiegler bewegt sich gewichtstechnisch also zur Jahreszeit passend eher auf niedrigem Sommergewicht mit Luft nach oben. Aber es bleibt ein großer Fisch! Ein Fisch, bei dem ich mich alleine anhand von Fotos nicht festlegen will, ob er nun 25, 26 oder sogar 28 Kilogramm wiegt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Freihändig ist ein genaues Wiegen von Fischen dieser Gewichtsklasse ohnehin nicht ganz einfach.

Wer dabei die Waage nicht an dem dafür vorgesehenen Henkel hält und einen solchen Fisch womöglich ohne Wiegestange, dafür aber mit Wiegeschlinge wiegt – der kann bei der Ermittlung der Fakten schnell zwei oder drei Kilo daneben liegen. Aber ich war nicht dabei! Wie soll ich dann das Gewicht des auf einem Foto abgebildeten Fisches auf ein oder zwei Kilo genau beurteilen? Andere Leser trauen sich das offenbar zu. Und sie scheuen sich nicht, ihre Zweifel öffentlich kund zu tun. Gerade im Internet gerne mit provokantem Unterton. Zum Glück bekommt unser Fänger Danny Frank schnell Unterstützung. Jemand bestätigt das angegebene Gewicht.

Dennoch: Die Zweifel bleiben. Das erkenne ich an zahlreichen Mails, die ich im Zusammenhang mit unserer Fangmeldung im Hintergrund bekommen habe. Ihr Inhalt – mal mehr, mal weniger spekulativ. Unser Leser Hannes Ranner hat uns ein Foto von demselben Fisch geschickt. Er hat den Spiegler nur drei Wochen zuvor mit einem Gewicht von 26,1 Kilo gefangen. Und er findet die Gewichtszunahme zurecht „komisch“. Zwei Kilo Unterschied in so kurzer Zeit – das ist sicher ungewöhnlich. Aber auch nicht unmöglich!

Wenn der Karpfen jetzt in den Fressmodus gewechselt hat, kann ein solcher Brocken durchaus relativ schnell an Gewicht zulegen. Ob nun 28 Kilo oder nicht – am Ende bleiben es Spekulationen. Solche Diskussionen sind deshalb nicht nur leidig, sondern überflüssig. Reine Spekulationen werden das Geheimnis nicht lüften. Und wie schwer ein Fisch tatsächlich ist – DAS weiß am Ende alleine der Fänger, oder derjenige, der das Gewicht auf der Waage abgelesen hat. Wer da falsche Angaben macht, betrügt am Ende in erster Linie sich selbst. Soviel habe ich längst gelernt und deshalb stelle ich heute auch nicht mehr jede Gewichtsangabe sofort unter Generalverdacht. Sollten wir den erfolgreichen Anglern stattdessen nicht lieber zu ihrem außergewöhnlichen Fang gratulieren?

Ich weiß – unter (Karpfen-)Anglern ist ehrliche Anerkennung ziemlich viel verlangt.

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