BUNTE MISCHUNG

Jedes Frühjahr das gleiche Dilemma: Was tun mit den Boilieresten aus dem vergangenen Jahr? Ein Kilo hiervon, zwei Kilo davon – alles zusammen gekippt . CiF Chefredakteur Kay Synwoldt bevorzugt boiliemäßig eher die Monokultur statt bunte Mischung.

Selbstverständlich verwende ich meine Reste unterschiedlicher Boiliesorten noch zum Angeln. Allerdings würde ich die Boilies nicht zu einer „bunten Mischung“ zusammen kippen und damit (langfristig) anfüttern. Damit habe ich durchweg schlechte Erfahrungen gemacht. Okay: Ich habe mit so einer bunten Mischung auch Karpfen gefangen, aber ich konnte damit NIE wirklich abräumen.

Meine Erklärung ist relativ einfach. Mit einer längeren Futterkampagne – und darunter verstehe ich einen Zeitraum von MINDESTENS einer Woche – verfolgen wir zwei Ziele: Wir wollen die Fische an den Platz gewöhnen und hoffen darauf, dass die Karpfen an den Platz zurückkehren, weil sie dort regelmäßig Futter finden. Keine Frage, dieser Effekt ließe sich auch mit einer Restemischung erreichen.

Aber wir wollen die Karpfen auch an unser Futter gewöhnen, gemeint ist eine bestimmte Boiliesorte. Je größer der Wiedererkennungswert einer Boiliesorte hat, umso besser. Die Gewöhnung an ein bestimmtes Futter ist bei längeren Futterkampagnen ein wichtiges Ziel. Denn damit binden wir die Karpfen viel eher an unsere Futterstelle. Weil sie dann im Idealfall wirklich genau auf diese eine Sorte fixiert sind und sogar gezielt danach suchen.

Unter den Leckermäulern gibt es durchaus unterschiedliche Vorlieben. Durchaus ein Argument für eine bunte Mischung, weil wir damit - zumindest theoretisch - mehr Karpfen ansprechen.
Andererseits: Wenn wir den Karpfen mit der erwähnten bunten Boilie-Mischung mehrere Alternativen bieten, bleibt das Risiko, dass sich einige Karpfen möglicherweise auf eine Boiliesorte einschießen, die ich gar nicht an den Haken gehängt habe. Diese Fische kann ich dann kaum fangen, weil sie meine Hakenköder gar nicht erst einsaugen.

Außerdem bin ich überzeugt: Haben die Karpfen mehrere Köder-Alternativen, fressen sie zurückhaltender. Getreu dem Motto „Wer die Wahl hat, hat die Qual“ müssen die Karpfen ja jeden Boilie einzeln probieren um zu entscheiden, ob nun die gelben oder roten Kugeln leckerer sind. Wenn die Karpfen aber mit „spitzen Lippen“ fressen, wird es generell schwieriger, sie zu haken.

Noch etwas: Wenn wir es schaffen, die Karpfen an einen bestimmten Boilie zu gewöhnen, bleibt das Risiko geringer, dass ein anderer Angler deinen Platz abräumt. Egal ob unwissend oder mit purer Absicht – er wird es dann mit einem anderen Köder schwerer haben, auf deinem Platz gut zu fangen. Bis dieser Effekt eintritt, braucht es allerdings seine Zeit. Normalerweise mehrere Wochen.

Wenn man partout mit seinen Resten anfüttern will, würde ich eine Mischung daraus nur für kurzfristige Futter-Aktionen von maximal zwei oder drei Tagen verwenden. In diesem Fall kann das Vorfüttern mit der bunten Mischung durchaus einen positiven Effekt haben.

In der Redaktion bekomme ich immer wieder kleinere Mengen Boilies zum Testen. Das mache ich gerne. Denn ich probiere gerne neue Ding aus. So kann ich mir aus dem Praxis-Einsatz heraus ein eigenes Urteil zu dem jeweiligen Köder bilden. Allerdings käme ich nie auf die Idee, aus den kleinen Mengen eine große Mischung zum Anfüttern zu machen. Wie sollte ich dann eine Aussage darüber treffen, welcher Boilie von den Karpfen besser, welcher weniger gut angenommen wird?

Kleinere Boiliemengen verwende ich ausschließlich für instantes Angeln. Das Fallenstellen ohne Vorfüttern also. Und da reicht dann zur Not eine Restmenge von vielleicht 500 Gramm aus, um eine Falle für eine Nacht scharf zu machen. Jetzt im Frühjahr ist das flexible Angeln sowieso die bessere Option.

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