Bullenhitze!

Wer in diesem Sommer die Zeit der Schulferien für seinen Urlaub genießen kann, hatte bisher wirklich Glück.
Rein wettertechnisch zumindest. Waren die Sommerferien früher auch schon mal kühl und verregnet, zeigt sich der Juli bisher von seiner sonnigsten Seite. Kürzlich sogar mit Rekordtemperaturen über 40 Grad. Was für eine Bullenhitze!

Angeltechnisch betrachtet sind solche „Jahrhundert-Sommer“ ein zweischneidiges Schwert. Zwar mag auch ich es lieber kuschelig warm als verregnet, aber bei einer badetauglichen Wassertemperatur von 26 Grad und mehr bin ich am Wasser selten alleine.

Nicht nur die „Schönwetterangler“ bevölkern jetzt die Ufer, auch unzählige Erholungssuchende ohne Angelambitionen zerren mit ausgedehnten Grill- und Sauforgien an meinem Nervenkostüm.

Kein neues Phänomen natürlich, aber der Dauerbelagerungszustand an den Gewässern scheint mir in diesem Jahr besonders ausgeprägt.
Italienische Verhältnisse quasi. Auch dort hat es Tradition, dass sich im Sommer eine ganze Volkswirtschaft über Wochen hinweg ungestört die Füße kühlen kann.

Aber nicht nur die Unruhe an den Ufern der Gewässern macht das Angeln in diesen Tagen schwierig. Die hohen Wassertemperaturen machen die Karpfen träge. Denn mit steigender Wassertemperatur nimmt die Saustoffsättigung der Gewässer ab. Das drückt den Appetit der Schuppenträger.

Zudem fördern viele Sonnenstunden das Krautwachstum. Viele Gewässer sind in diesem Jahr besonders stark verkrautet. An manchen Gewässern ist das Angeln nur noch eingeschränkt möglich, weil sich selbst in größeren Tiefen kaum noch krautfreie Plätze finden, wo man seine Montage effektiv präsentieren könnte. Ich muss also immer noch mit Pop-ups oder zumindest Snowman-Style fischen, damit mein Köder nicht ganz im Kraut versinkt.

Das viele Grün begünstigt zudem die ungebremste Vermehrung natürlicher Nahrung. In den Gewässern, die ich in diesem Jahr befische, wimmelt es derzeit buchstäblich von Gammarus-Krebsen, Schnecken und sonstigem Kleingetier.
Warum sollten die Karpfen bei derartigem Überfluss noch unsere Boilies oder anderes Angelfutter fressen? Das Risiko können sie sich sparen.

Noch ein weiteres Problem: Da viele Gewässer völlig zugewuchert sind, brauchen die Karpfen keine großen Wege zurücklegen. Natürliche Nahrung ist überall verfügbar. Womöglich angeln wir also in Gewässerbereichen, in denen die Karpfen – im Gegensatz zu kühleren Jahren – gar nicht auftauchen.
Womöglich ein Grund, warum das Angeln in diesem Jahr bei mir eher von sporadischen Fängen geprägt ist.

Aber das Blatt kann sich wieder wenden. Zumindest die größte Bullenhitze scheint erst mal vorbei. Erste kühlere Nächte lassen uns nicht nur wieder besser durchschlafen, sie kündigen hoffentlich einen bevorstehenden Wetterwechsel an. Und auch die Sommerferien gehen zum Glück irgendwann zu ende. Dann wird es automatisch ruhiger an unseren Gewässern.

Ob das meine Hanger wieder in Bewegung bringt, bleibt abzuwarten. Ich bin da eher gebremst optimistisch. Denn die Abkühlung muss nicht nachhaltig sein.
Und ob der hoch gelobte Herbst den bisher eher schlechten Verlauf meiner Angelsaison noch rausreißen kann, ist längst keine gemachte Sache.
Denn wenn das viele Kraut erst einmal beginnt abzusterben, ist das wieder wenig förderlich für den Erfolg. Die Zersetzungsprozesse binden nämlich wieder jede Menge Sauerstoff.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Bis dahin müssen wir die Flaute wohl einfach aussitzen.

Kay Synwoldt

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