AUSZEIT

Vor der anstehenden Gesellenprüfung noch einmal runterkommen – das geht beim Angeln am besten. Aber drei Gewässer in einer Woche? Klingt eher nach Stress als nach großem Fischzug. Jaqueus Huppertz hat den Roadtrip trotzdem gewagt.

Im April stand für mich noch eine Woche Urlaub an. Vor meinen anstehenden Prüfungen wollte ich noch einmal abschalten. Ich hatte mir allerings einiges vorgenommen und wollte in dieser Zeit drei verschiedene Gewässer befischen. Mein erstes Ziel: Ein kleiner Stausee mit einer Struktur wie eine Badewanne, aber bis zu 16 Meter tief. Im vergangenen Jahr konnte ich im Badebereich des Sees mit einem Freund innerhalb von zwei Nächten 19 Fische auf die Matte legen. Da ich diesmal im Frühjahr unterwegs war, vermutete in die Fische allerdings eher in der Nähe der Staumauer.

Start an der Staumauer
Am See war niemand zu sehen, ich konnte also meine anvisierte Stelle in der Nähe der Staumauer befischen. Meine erste Falle mit einem Snowman als Hakenköder stellte ich in dreieinhalb Metern Tiefe. Drei oder vier Hände ganze und gecrushte Boilies dazu – fertig. Mein zweites Rig landete in zehn Metern Tiefe. Ebenfalls mit Snowman beködert, aber ein paar mehr Boilies dazu. So hatte ich das Areal abgedeckt. Der April zeigte derweil sein typisches Gesicht: Regen, Schnee, Sturm mit abgewechselnd Sonnenschein.

Am Abend dann der ersehnte Lauf. Was ich ganz vergessen hatte: Die Fische haben in dem See unfassbare Power. So konnte ich meinen ersten Fisch erst nach 20 Minuten in den Händen halten. Ein wunderschöner Spiegler mit glatten 16 Kilogramm. Was für ein geiler Start!

Die restliche Nacht tat sich jedoch nichts. Morgens telefonierte ich mit einem guten Freund. Er riet mir, es mit einem Single Hookbait und nur einer Hand voll Futter an der Abbruchkante zu probieren. Ich folgte seinem Ratschlag und so landete meine Montage, die bis dahin auf zehn Metern Tiefe lag, an der Abbruchkante in etwa fünf Metern Tiefe.

Mein Kumpel rief noch einmal an. Er wollte vorbei kommen. „Dann kannst du ja gleich das Foto vom nächsten Fisch machen“, scherzte ich noch. Aber so kam es tatsächlich: Keine zehn Minuten nachdem ich aufgelegt hatte, lief die neu gelegte Rute ab und ich konnte mitten im Schneegestöber den nächsten Spiegler mit 14,5 Kilogramm abschöpfen.

Danach ging allerdings nichts mehr. So packte ich am nächsten Morgen ein, um zum nächsten Gewässer auf meiner Liste zu fahren: eine 22 Hektar große Kiesgrube und eines meiner Hausgewässer.

Was für ein Kreuz!
Nur ein paar Stunden später drehte ich schon eine Runde um den See. Leider ohne jedes Anzeichen von aktiven Fischen. Als Angelplatz wählte ich eine Landzunge, von der aus ich eine große Bucht und das Freiwasser befischen konnte. Auch hier blieb es wie zuletzt am Stausee ruhig. Das ließ mir keine Ruhe. Ich stieg in mein Boot und suchte die Uferkanten der Bucht ab. Und da standen sie, ganz entspannt im Schutz einer Weide. Selbstverständlich platzierte ich eine Montage vor der Weide. Ich fütterte nur ein paar freiliegende Boilies dazu.

Die Nacht brach ein und mit diesen Gefühl von etwas ganz Besonderem im Kopf legte ich mich mit hohen Erwartungen in den Schlafsack. Dieses vielversprechende Gefühl blieb bis nachts um 03:00 Uhr, bis die Rute unter der Weide volles Rohr abging. Im Boot spürte ich sofort, dass es kein Kleiner ist. Nachdem mich der Fisch geschlagene 35 Minuten in meinem 2,10m Schlauchboot durch die komplette Bucht gezogen hatte, kam er das erste Mal hoch. Ein Spiegler, aber was für einer! Nach dem ich ihn im Kescher hatte, konnte ich es kaum fassen, was für ein Kreuz dieses Tier hat. Der Zeiger der Waage blieb später bei glatten 21 Kilo stehen. GEIL!

Ausgeschlitzt
Ich hatte den Fisch grade für das obligatorische Fangfoto auf den Händen als die Rute unter der Weide erneut ablief, als gäbe es kein Morgen mehr. Stefan, der mir als Fotograf assistierte, kümmerte sich um den Fisch auf der Matte, während ich mit Rute ins Boot stieg. Der Drill war schnell vorbei. Verantwortlich dafür war ein kleiner, aber sehr schöner Spiegler.

Nach diesem Spektakel entschied sich mein Kumpel Stefan spontan, für eine Nacht mit zu fischen. Doch in der folgenden Nacht passierte nichts mehr – bis morgens um 7:00 Uhr meine Rute unter der Weide wieder ablief: Und dann passiert es kurz vor dem Kescher: AUSGESCHLITZT!

Ich hatte danach um so mehr Lust, auf diesem Platz sitzen zu bleiben, da ich wusste, dass immer noch Fische am Platz waren. Doch man soll gehen, wenn es am schönsten ist.

So packten wir unser Tackle in die Bullis und fuhren zu meinem letzten Ziel: dem Kanal.

Ab zum Kanal
Wir wussten, dass der ausgewählte Kanal nicht einfach ist, dafür schwimmen darin Fische bis zu 30 Kilogramm. Wir versuchten unser Glück an einem etwa 5 Kilometer langen Teilstück in einem kleinen Hafenbecken und in der Nähe einer Brücke. Nur die Autos auf der gegenüberliegenden Straße waren zu hören. Bei gutem Essen und ein paar Bier ließ es sich jedoch aushalten. Am nächsten Morgen wurden wir sehr früh durch den Schiffsverkehr geweckt. Das war auch das einzige was lief, denn an den Ruten tat sich nichts.

Am späten Nachmittag kamen ein paar Angler vorbei die uns uns von ihren Fängen aus dem Vorjahr berichteten und uns auf ihren Handys die Bilder von einigen guten Fische zeigten. So falsch saßen wir offenbar nicht. Allerdings konnten wir auch in dieser Nacht keinen Karpfen zum Landgang überreden. Vielleicht war es einfach noch zu früh für diese Stelle oder die erhofften Fische schwimmen in einem anderen Kanalabschnitt.

Nach dem Frühstück hieß es dann auch langsam, einpacken und die Heimfahrt antreten. Auch wenn wir am Kanal leer ausgingen, war es eine schöne Woche, in der ich vier Fische fangen konnte, zwei davon über 15 Kilogramm, einer über 20 Kilogramm. Für mich ein gelungener Start ins Jahr 2019.

Übrigens: Meine eingangs erwähnte Gesellenprüfung konnte ich mit einer Gesamtnote von 2,2 bestehen.

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