Ausgleichende Gerechtigkeit

Der Winter hielt bisher vielerorts nicht das, was er verspricht. Das war eher Spätherbst als Winter. Aber das war auch gut so. Denn so konnte man auch im Dezember die Nächte locker ohne Zeltheizung am Wasser verbringen. Kein Schnee, kein Eis – dafür krumme Ruten und nasse Kescher. Das war ganz nach meinem Geschmack.

Im Dezember lief es für mich trotzdem eher bescheiden. Ich fing mehr Brassen als Karpfen. Am Ende hieß es 17 zu 2 für die schleimigen Viecher, um es in Zahlen auszudrücken! Ich freute mich zwar über jeden Fisch, aber als das erste Dutzend voll war, hatte ich doch ein wenig die Nase voll.

Mein Tiefpunkt: Am 30. Dezember beendete ich mein Angeljahr nach vier Nächten mit nur einer Brasse, stark angefressen. Nicht zuletzt weil es zwei, in Fachkreisen gerne auch als Goldzahnkormorane bezeichnete Angler direkt neben mir auf meinen Geduldsfaden abgesehen hatten. Zu guter Letzt sammelten sie früh am Morgen noch meine beiden Schnüre ein. Ich war restlos bedient.

„Nächste Saison läuft es wieder...“, redete ich mir auf der Heimfahrt ein. Über Silvester hatte ich neue Kraft und Motivation getankt. Und so fand ich mich am 1. Januar 2016 schon wieder am Baggersee ein. Der Winter hielt mit Verspätung nun doch noch Einzug. Vielleicht hatte ich sogar realistische Chancen auf einen Schneekarpfen.

Und tatsächlich: Die Fische bissen – trotz sinkender Temperaturen. Am ersten Tag des Jahres konnte ich gleich einen Karpfen fangen. Klein aber fein! Ich freute mich, dass es so schnell mit einem Rüssler geklappt hat und noch dazu zeigte die Wetterapp nun Schneefall voraus. Am nächsten Tag holte Frau Holle nach, was sie bis dahin vergessen hatte.

Würde der Schnee liegen bleiben? Ach ja – fangen müsste ich dann ja auch noch einen…

Am Abend fing ich innerhalb von einer Stunde zwei schöne Spiegler, doch noch blieb der Schnee nicht liegen. Ich war trotzdem motiviert und voller Tatendrang, die Ruten lagen perfekt. Es musste einfach klappen.

Es war kalt als ich früh morgens an den Ruten stand. Der Schnee rieselte leise vor mir auf die Wasseroberfläche. Ob die Fische nun auf einer anderen Tiefe patrouillierten, als noch am Vorabend?

Plötzlich piepte es neben mir. Meine linke Entoh-Rolle fing langsam an, Schnur freizugeben.

Ein Biss!

Ich nahm die Rute auf und mir wehte der Schnee entgegen, der sich in den letzten Stunden darauf gelegt hatte. Es war wie ich es mir vorgestellt hatte: In diesen Augenblicken gab es nur den Schnee, den Fisch und mich. Einfach MAGISCH!

Nachdem ich meine Montage mit einem neuen Octopex Hard & Light Hookbait wieder auf einer Steinpackung in 10,5 Metern Tiefe abgelegt hatte, wollte ich schnell wieder in meinen Schlafsack krabbeln. Doch daraus wurde nichts: Vollrun!

Ich konnte es nicht fassen. Mit einem riesigem Grinsen drillte ich meinen zweiten Karpfen aus dem Schneegestöber in meinen Kescher. Über seinen Leib waren einige Schuppen gestreut, ein wunderschöner Fisch.

Leider habe ich mich bei den anschließenden Selbstauslöserbildern mächtig blöd angestellt. Die Bilder sind leider nicht so gut gelungen, sie sind unscharf. Mir ist das egal. Ich konnte den Moment genießen und war zufrieden. Was wollte ich mehr: Am 4. Januar schon fünf Rüssler auf der Habenseite – Wahnsinn! Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt, aber es gibt sie also doch, die ausgleichende Gerechtigkeit.

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