Alte Liebe rostet nicht

Anfang der 2000er Jahre zog es mich einige Male nach Ungarn zum Fischen. Ich habe dort mehrere Gewässer befischt und dabei so manchen Angler kennengelernt. Über die Jahre rückten näher liegende Gewässer in meinen Fokus, meine Kontakte nach Ungarn brachen ab.

Doch Facebook sei Dank, fand ich zumindest einen Kontakt wieder zurück. Er lebte damals in Wien. Heute ist er mit einer Ungarin verheiratet und wohnt natürlich in Ungarn. Schnell stand fest, dass es für uns ein Wiedersehen in Ungarn geben sollte.

Ende April fuhr ich mit einem Freund ins Land von Paprika und Kesselgulasch. Die Freude über das Wiedersehen war nach so vielen Jahren auf beiden Seiten groß. Kurze Zeit später standen wir zusammen an einem Gewässer, das er für uns ausgesucht hatte. Es standen bereits einige Zelte am See, aber es war immer noch Platz genug. Wir bezogen unsere Stelle und richteten uns ein.

Gut drei Stunden lagen unsere Köder erst im Wasser, als der erste Piepser einen Dauerton von sich gab. Der Fisch zog Meter um Meter Schnur von der Rolle, bevor ich ihn zum Umdrehen überreden konnte. Ich dachte zunächst an einen dicken Karpfen, aber plötzlich sprang ein Stör komplett aus dem Wasser. Erst nach gut 20 Minuten hatten wir das Ungetüm auf der Matte liegen.

Christian, der Besitzer des Sees, erklärte mir, dass es mittlerweile kaum noch Gewässer in Ungarn gäbe, in denen keine Störe schwimmen. Die Ungarn fahren offensichtlich voll auf diese Fische ab.

Wir wollten aber auf Karpfen fischen und mussten schnell etwas an unserer Taktik ändern. Fortan brachten wir viel weniger Futter auf den Spot. Das genaue Gegenteil von früher also. Da galt beim Karpfenangeln in Ungarn an den meisten Gewässern die Devise mehr ist mehr. Damit lockt man heute in erster Linie die Störe an, meinte Christian.

Unsere Ruten wurden zum Abend alle neu ausgelegt. Neben dem Hakenköder verteilte ich nur etwa 10 Boilies pro Rute.

Die neue Taktik schlug an. Bevor wir uns am Abend endlich von der 13-stündigen Autofahrt erschöpft auf unsere Liege fallen lassen konnten, hatten wir schon vier Karpfen gefangen. Die darauffolgende Nacht brachte noch zwei weitere Karpfen auf die Matte. Christian meinte am Morgen, dass wir mit diesem Ergebnis einen sehr guten Start hingelegt hätten. Das ist offenbar nicht üblich an dem See.

Wir erklärten ihm, dass wir zu 100% Vertrauen in unsere Boilies haben. Prompt ging der nächste Karpfen an den Haken, als Christian noch bei uns stand und von alten Zeiten erzählte.

Auch am zweiten Tag fingen wir einige gute Karpfen. Ich konnte sogar einen schönen Schuppi von 25,3 Kilogramm fangen. Wie schon in den früheren Jahren gingen auch jetzt mehr Schuppenkarpfen als Spiegler an den Haken. In der folgenden Nacht ließ der starke Wind, der schon seit Tagen blies, nach. Damit ließen leider auch die Bisse der Karpfen. In den folgenden 3 Tagen wurden nur noch wenige Karpfen am See gefangen, und auch bei uns tappten nur noch ein oder zwei Fische in die Köderfallen.

Zum Glück kam der Wind an den letzten beiden Tage wieder zurück. Die Karpfen fingen tatsächlich wieder zu fressen, wir waren zurück im Rennen.

Wir fingen noch einige schöne Karpfen, und waren mit unserem Trip nach Ungarn mehr als zufrieden. Drei Stunden bevor wir mit dem Einpacken anfangen wollten, fing es an zu regnen. Zum Glück waren wir schnell damit fertig. Denn der Regen sollte die nächsten zwei Tage nicht mehr aufhören. Uns konnte es egal sein, wir hatten unsere Fische gefangen.

Eines steht schon sicher fest: Ich werde nächstes Jahr zweimal wieder die 1.300 km in Richtung Ungarn fahren. Manchmal lohnt sich selbst der weiteste Weg. Denn so habe ich meine alte Liebe wiedergefunden.

Ralph Gensterbluhm

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