Abenteuer Frankeich

Eine Frankreichtour sollte dieses Jahr der Auftakt meiner Karpfensaison werden. Das erste Mal alleine. Okay, ganz alleine nun auch wieder nicht. Meine Freundin Sabrina wollte das Karpfenangeln auch mal schmecken, verstehen was ich daran so toll finde, warum ich so viele Nächte lieber am Wasser verbringe, als mit ihr zusammen auf der Couch.

Da sage ich nicht nein.

Ein entspannter Urlaub sollte es werden, so der Plan. Obwohl die Wettervorhersage nicht so berauschend war: nur 10 Grad, starker Süd- und Nordwind, nachts vielleicht Frost – für Ende März nichts Außergewöhnliches.

Die Fahrt nach Frankreich verging wie im Flug. Aber machen wir uns nichts vor: Das Angeln in Frankreich ist nicht leichter als hierzulande. Einige Seen haben zwar bessere Fischbestände, trotzdem schwimmen die Karpfen auch im gelobten Land nicht von alleine in den Kescher.

Wie viele Angler sind nach ein oder zwei Wochen entmutigt wieder nach Hause gefahren – ohne eine einzige Aktion?

Am See angekommen verschafften wir uns einen groben Überblick. Es gab einen großen Hauptseeteil, sowie mehrere Buchten und Seitenarme. Der Wind wehte (wie vorhergesagt) kräftig aus Südwest. Deswegen wählte ich einen Platz in einem Seitenarm, in dem die Wellen ausliefen.

Meine Taktik sah wie folgt aus: Ich wollte die Ruten so großflächig wie möglich verteilen. Um die Fische nicht mit meinen Schnüren zu verschrecken und um mir ein Bild zu machen wo, wie oder wann die Karpfen fressen.

Da das Wasser erst sieben Grad hatte, setzte ich Boillies ein, die auch bei kaltem Wasser sehr gut arbeiten und möglichst viel Inhaltsstoffe abgeben, wie die Roasted Salmon und Red Pearl Liver von RSR-Baits. Dazu einen Stickmix angerührt mit Mais, Weizen, Hanf und Tigernüssen. Pro Rute fütterte ich maximal zehn Pillen, dazu eine Handvoll von dem Partikel-Mix, alles mit Liquid gepimpt.

Mein Hund und Treuer Freund Spike ließ sich die Boilies auch schmecken. Er nutze einen unachtsamen Moment, um aus meiner Futterschaufel zu fressen. Ich sah noch, wie er gerade versuchte, den Schneemann zu zerkauen, an dem der Haken hing. Zum Glück konnte ich das Schlimmste verhindern. Ein paar Sekunden später, der Trip wäre gelaufen gewesen.

Die ganze Nacht regnete es, die Bissanzeiger schwiegen um die Wette. Beim Frühstück fragte ich Sabrina nach ihren ersten Eindrücken. Sie war überraschend gut gelaunt.

Plötzlich gab die Rute am alten Flussbett ein paar einzelne Piepser von sich. Schnell sprang ich in die Wathose und nahm Kontakt auf. Nach kurzer Zeit stand fest: am anderen Ende kämpft kein Karpfen, sondern ein kapitaler Hecht – mit 1,03 Meter mein Größter bisher. Zwar kein Karpfen, die Freude war trotzdem groß.

Den restlichen Tag verbrachten wir fast ausschließlich im Zelt. Es regnete und stürmte ununterbrochen. Aber wenigstens war der Wind mild. Dadurch erwärmt sich das Wasser, so meine Hoffnung.

Am nächsten Morgen meldete sich meine Rute, die ich an das Ende einer Bucht gelegt hatte. Vielleicht der Wind? Oder hat sich etwas in der Schnur verhangen? Trotz der Zweifel, ob am anderen Ende etwas hing, setze ich mich samt Rute ins Boot und paddelte Richtung Bucht. Tatsächlich ruckte es auf einmal ordentlich in der Rute. Meinen letzten Karpfen fing ich im November, deshalb wollte ich diesen Fisch unbedingt landen. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich meine fischlose Vergangenheit endlich hinter mir lassen und hob den Karpfen in das Boot. Ich war happy über den ersten Frankreich-Bullen.

Beim Zurückrudern setze ich ab und zu einen Paddelschlag ins Leere, bedingt durch den hohen Wellengang. Dadurch spritze ich das Wasser Richtung Horizont. Der Wind blies mir das Nasse wieder ins Gesicht. Ich erlebte genau das Abenteuer, was ich schon immer wollte: Ein riesiger See, hohe Wellen, stürmischer Wind und Karpfen. Anglerherz, was willst du mehr?

Am Ufer wartete Sabrina schon mit der Kamera im Anschlag. Sie ahnte nicht, dass ich tatsächlich eine goldbraune Überraschung dabei habe.

Meine Montage wollte ich danach schnell wieder an ihren Platz bringen. Gar nicht so leicht bei dem Wind. Ich war sichtlich erschöpft nach diesem Kraftakt. Laut Wettervorhersage sollte der Wind weiter zunehmen und in der Nacht Orkanstärke erreichen.

Wir legten auf jeden Zelthering einen großen Stein. Boot und Rodpod´s verstärkte ich zusätzlich mit jeweils einem Bank Stick. Eine nasse Angelegenheit bei diesen Wellen. In der Nacht wurde mein ohnehin unruhiger Schlaf von meiner Funkbox gestört. Eigentlich wollte ich bei dem Wetter nicht mal meinen Hund raus schicken. Und im Schein meiner Kopflampe traute ich meinen Augen nicht: Mein Boot hatte sich selbständig gemacht!

Es wurde durch die Wellen ans Ufer gedrückt und war bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Mein Echolot schwamm samt Tasche wie eine Rettungsboje in meinen Boot. Mit einem Bait-Eimer versuchte ich das Wasser aus dem sinkenden Schiff zu schöpfen. Die Wellen knallten immer wieder gegen die Bootswand und dadurch war es ein fast hoffnungsloses Unterfangen.

Irgendwie gelang es mir dann doch, alles halbwegs trocken zu bekommen. Der Bissanzeiger war inzwischen verstummt. Hängt der Fisch noch? Jetzt hatte ich die Wahl: Warten bis es ruhiger ist, dann mit dem Boot raus fahren und schauen wo die Montage fest hängt, aber dadurch womöglich einen Fisch verlieren? Auf keinen Fall! Bevor ich dem Fisch entgegen fuhr, sagte ich Sabrina: „Wenn ich in zehn Minuten nicht wieder da bin, rufst du bitte und hoffst auf Antwort. Ich stellte mir selber eine Regel auf: Im Boot nicht hinstellen, egal was passiert! Zum Glück konnte ich den Fisch am Ende ohne große Mühe Keschern.

Ich gebe im Nachhinein zu: Das Rausfahren war eine vielleicht leichtsinnige Aktion. Eine erneute Fahrt, um meine Falle wieder abzulegen, wollte ich jedenfalls nicht riskieren.

Die völlig durchnässten Klamotten hingen danach zum Trocknen über die Zeltheizung. Trotzdem war ich zufrieden. „Alles was jetzt noch kommt, ist eine Zugabe“, sagte ich zu Sabrina.

Gegen Morgen wurde es zum Glück etwas ruhiger. An diesem Tag war auch endlich ein wenig Sonne in Sicht - Balsam für Körper und Geist.

Während dem Mittagessen bekam ich den ersten Vollrun, kein vorheriges Piepsen oder Zappeln der Rutenspitze. Ich vermutete einen besseren Karpfen. Drillen konnte ich diesmal vom Ufer aus. Und siehe da: ich konnte kurze Zeit später einen dicken Spiegelkarpfen in die Kamera halten.

Zwei Nächte hatten wir noch vor uns. In der vorletzten Nacht passierte leider rein gar nichts. Aber was will ich bei diesen Bedingungen erwarten? Unter Wasser herrschte noch Winter.

Trotzdem war ich motivierter denn je, brachte mit der Hilfe von Sabrina alle vier Ruten erneut raus.

Und tatsächlich: Gegen 4 Uhr ertönte einer meiner Bissanzeiger. Ich drillte den Fisch wieder vom Ufer aus und konnte ihn sicher landen. Ein Schuppi der höheren Gewichtsklasse, ich war „Over the Moon“.

Ein letztes Mal brachte ich die Montage an ihren Platz. Der Boilie bekam von mir noch einen Kuss, bevor er in der Tiefe verschwand. Genau diese Rute brachte mir eine Stunde später den für mich schönsten Fisch der Session: ein orange gefärbter, makelloser Schuppenkarpfen. Was für ein Abschluss.

Halt! Das war es noch nicht.

Sabrina und ich packten gerade zusammen, als sich plötzlich noch eine Rute meldete. Was war auf einmal geschehen, die Karpfen wie im Fressrausch? Sollten wir jetzt wirklich den Heimweg antreten?

Der letzte Fisch war ein etwas kleinerer Schuppi, worüber wir uns dennoch freuten. Wir hatten am Ende also alles richtig gemacht.

Die anschließende Fahrt nach Hause verging wie im Flug. Wir unterhielten uns über die nächsten Projekte und konnten die heimische Badewanne kaum erwarten. Von diesen Erlebnissen werden wir noch lange zehren.

Mein bevorstehender Umzug sollte jetzt leichter von Hand gehen. Kein Druck mehr, den ersten Fisch des Jahres fangen zu müssen. Das war auf meiner Liste abgehakt.

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